+
Gruppenbild mit Intendant (v. li.): die Meisel-Preisträger Nils Strunk, Juliane Köhler, Lilith Häßle und Residenztheater-Chef Martin Kušej.

Schauspielerin erhält Auszeichnung der Freunde des Residenztheaters

Juliane Köhler mit Kurt-Meisel-Preis geehrt

  • schließen

Vor 26 Jahren war Juliane Köhler zum ersten Mal am Bayerischen Staatsschauspiel zu sehen. Jetzt wurde die Schauspielerin mit dem Kurt-Meisel-Preis der Freunde des Residenztheaters ausgezeichnet. 

„Ich muss es kurz einmal sagen.“ Juliane Köhler holt im Münchner Residenztheater Luft und ruft: „Endlich!“ Die Gäste unten im gut gefüllten Parkett jubeln ihr zu. Bereits zuvor hatten sie sich zum Applaus erhoben, als die Schauspielerin auf die Bühne kam.

Es stimmt ja auch: Endlich wurde Köhler, die vor 26 Jahren zum ersten Mal am Bayerischen Staatsschauspiel zu sehen war und die dieses Theater ihr „Zuhause“ nennt („Ich kenne jede Ecke hier“), mit dem Kurt-Meisel-Preis der Freunde des Residenztheaters ausgezeichnet. Benannt nach dem ehemaligen Intendanten, der das Haus von 1972 bis 1983 leitete, und dotiert mit 5000 Euro würdigt der Verein seit 1997 herausragende künstlerische Leistungen – bei Köhler ergänzt um die Ehrung der „vorbildlichen Schauspielerpersönlichkeit“, wie es in der Begründung des Publikumspreises heißt.

Köhler probt derzeit in Salzburg „Die Volksfeindin“

In ihrer Laudatio charakterisierte Amélie Niermeyer „die Köhlerin“ als Künstlerin, die „herausfinden möchte, was das Eigene einer Rolle ist“. Beide Frauen kennen sich seit Köhlers erster Arbeit am Staatsschauspiel, Marivaux’ „Streit“ 1993 im Cuvilliéstheater. Beide verbindet eine lange Zusammenarbeit – nicht nur in München: Gerade proben sie am Salzburger Landestheater „Die Volksfeindin“ nach Ibsen; Premiere ist am Samstag. „Du bist meine Lieblingsregisseurin“, sagte die Geehrte gestern – „und du bist meine Freundin. Das ist wunderbar.“ Köhler, die Kinofans etwa aus „Aimée & Jaguar“, „Nirgendwo in Afrika“ oder „Alles inklusive“ kennen und die aktuell in der Arte-/ARD-Produktion „Eden“ zu sehen ist, dankte explizit Residenztheater-Chef Martin Kušej und dessen Vorgänger Dieter Dorn. Beide hätten es ihr ermöglicht, neben der Arbeit auf der Bühne auch Filme drehen zu können: „Das ist eine logistische Herausforderung für ein Theater.“ Der Dank der 53-Jährigen galt auch jüngeren Kollegen, von denen sie sich etwa „Leichtigkeit und Chuzpe“ in der Text- und Probenarbeit abschauen könne. „Ich lerne noch immer von ihnen.“

Förderpreise für Nils Strunk und Lilith Häßle

Zwei junge Talente aus dem Ensemble erhielten vom Freundesverein gestern Förderpreise (jeweils 3000 Euro): Die 28-jährige Lilith Häßle wurde von Schauspielerin Katja Bürkle in einer herzlichen, klugen und feinsinnigen Rede gewürdigt. Die Laudatio auf Nils Strunk hielt Fotokünstler Jim Rakete, der den 29-Jährigen einst als Studenten der Ernst-Busch-Schauspielschule kennenlernte; heute verbindet beide eine intensive Arbeits- und Denk-Freundschaft. Rakete warnte, Strunk sei ein „gefährlicher Künstler, weil er über so viele verschiedene Talente“ verfüge.

Charmant und kurzweilig war diese 22. Verleihung des Meisel-Preises. Es war eine Matinee, bei der – gerade von Häßle und Strunk – viel Reflektiertes und Bedenkenswertes über den Schauspielerberuf, über die Bedeutung von und die Erwartungen ans Theater gesagt wurde. Mitunter schwebte leise Melancholie durch den Vormittag, da Kušej und viele Künstler das Haus zum Spielzeitende verlassen werden. Aber vor allem waren diese zweieinhalb Stunden eine Liebeserklärung ans Publikum, über das Juliane Köhler sagte: „Ich fühle mich aufgehoben und geborgen hier.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Farewell, Sir Elton - so war der Auftritt der Musiklegende in München
Mit einer Verbeugung und einem stumm geformten „Thank you“ sagt die Legende Lebwohl. Abschiede sind immer so eine Sache. Vor allem, wenn sich ein ganz großer Name mit …
Farewell, Sir Elton - so war der Auftritt der Musiklegende in München
Henzes „Der junge Lord“ am Gärtnerplatztheater: Der Bananenkavalier
Henzes „Jungen Lord“ könnte man provozierend aktualisieren - oder so auf die Bühne bringen wie  Brigitte Fassbaender am Gärtnerplatztheater. Letzteres reicht vollkommen …
Henzes „Der junge Lord“ am Gärtnerplatztheater: Der Bananenkavalier
Bekannter Satiriker und Sänger mit 57 Jahren gestorben - Das ist zur Todesursache bekannt
Schriftsteller und Sänger Wiglaf Droste wurde nur 57 Jahre alt. Er starb im fränkischen Pottenstein nach einer kurzen, schweren Krankheit.
Bekannter Satiriker und Sänger mit 57 Jahren gestorben - Das ist zur Todesursache bekannt

Kommentare