Jungenhaft und urmusikalisch

- 28 junge Pianisten aus aller Welt traten beim 55. Internationalen Musikwettbewerb der ARD in München an. Drei davon schafften es bis ins Finale und gingen nicht leer aus: Ben Kim, der 23-jährige Amerikaner, erspielte sich den ersten Preis, die Damen Hisako Kawamura (25) aus Japan und Marianna Shirinyan (28) aus Armenien errangen jeweils einen zweiten Preis.

In der Endrunde im Herkulessaal traten sie mit dem BR-Symphonieorchester unter der Leitung von Jonas Alber an. Stilvielfalt war bei diesem letzten Durchgang vielmehr präsentierten sich die drei Preisträger mit je einem Klavierkonzert. Hisako Kawamura bändigte Liszts Nummer 2 mit einer Mischung aus weiträumig greifender Geschmeidigkeit und Kraft. Temperamentvoll unterwarf sie die blendende Technik ihrem Willen, setzte kleine Vibrati, umgarnte das Cello, fand im Marziale un poco allegro noch Raum für Nuancen und reizte zum Schluss die klangliche Vielfalt im Diskant voll aus.

Ganz andere Töne schlug ihre armenische Kollegin Marianna Shirinyan an. Sie setzte auf Beethoven und bestach im G-Dur-Konzert mit spielerischem Elan. Dabei war sie durchaus in der Lage, markige Akzente zu setzen, Spannung zu schaffen und in den souverän gestalteten Kadenzen wie im Zusammenspiel mit dem Orchester nachhaltig zu beeindrucken.

Ben Kim, der jungenhafte Amerikaner asiatischer Herkunft, wagte sich an Schumanns a-moll-Konzert. Erstaunlich wie ungezwungen, wie selbstverständlich er sich auf den Dialog mit dem Orchester einließ, wie er hinhörte und reagierte auf die Klarinette im Kopfsatz, dynamisch fein abgestuft auf die Celli im zweiten Satz. Bei ihm schien alles (Struktur, Aufbau, Rubati) wie von selbst zu kommen, gespeist aus einer natürlichen Urmusikalität. Doch nicht alle Zuhörer waren mit der Jury- Entscheidung zufrieden, und so musste Ben Kim ein paar heftige Buhs einstecken.

Weiterer Preissegen ergoss sich über die Finalisten: Marianna Shirinyan erhielt den Publikumspreis, den Busch- Preis und den Preis des Münchener Kammerorchesters. Kawamura und Kim wurden für die beste Interpretation des zeitgenössischen Pflichtstücks von Manfred Trojahn ausgezeichnet.

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