Junges Gemüse für alten Feinschmecker

- Vom Medaillen-verwöhnten 18-jährigen Eisprinzen bis zum Komödianten mit grauen Schläfen, immer ein Publikumsliebling, wie der enthusiastische Applaus für Hans Jürgen Bäumler in der Komödie im Bayerischen Hof bestätigte. Dass der Kosmopolit aus Bayern mit Wohnsitz an der Côte d'Azur in München ein seltenes Heimspiel gibt, schafft gleich von Anfang an eine Premierenatmosphäre der Sympathie und gespannten Erwartung.

Bäumler, "Traumschiff-Doc" Horst Naumann, Christiane Rücker und vor allem das junge Bühnentalent Tessa Höchtl sind dann auch ein prächtiges Quartett in Peter Limburgs "Ein Seestern im Garten" (Regie: Helmuth Fuschl).

Dieser 50-plus-Tannefelder ist Bäumler wie auf den Leib geschrieben: Architekt, mit Feinschmeckerzunge nebenbei noch Restaurant-Tester, der nach kaum bedauertem Überlauf seiner Gattin zum gleichen Geschlecht sich gerade wohlig in seinem Single-Dasein eingerichtet hat. Da trickst sich die junge Silvia in sein Leben, zunächst nur, um ihn zu guten Kritiken für ihre heruntergekommene "Schlemmermühle" zu überreden. Silvia ist bei Tessa Höchtl ein Prachtexemplar der jungen Generation. Unkonventionell, lebensneugierig gewinnt sie nicht nur Fred und Thea, das erst mal um Tannefelders Moral skeptisch besorgte Freundes-Ehepaar. Eine Nummer für sich, wie Christiane Rückers frisch inspirierte Thea umgehend von der wandelnden Jungbrunnen-Apotheke zum joggenden Gesundheitsfreak mutiert.

Ungleiches Paar

Höchtls Silvia, eine kleine Zirze, die Adjektive wie "engelsflügelglatt" erfindet und in träumerischer Fantasie auch mal "Seesterne im Garten" findet, holt auch den arrivierten Architekten aus seiner Spießerselbstzufriedenheit heraus. Sie und Bäumler spielen mit ganz  unsentimentalem Humor eine zarte Annäherung, machen gerade den Altersunterschied zur glaubwürdigen Anziehungskraft. Er häutet sich aus seinen Altherren-Hausklamotten zum flotten Jeans-Träger (Kostümbildnerin Daniela Piecha lässt reife Taillen verschwinden und junge Büslein appetitlich wippen). Und sie findet bei ihm den Hafen: "Du bist etwas zum Festhalten."

Autor Limburg glaubte, dieses in sich noch nicht komödienreife Sujet im ersten Teil mit Kalauern und platter Situationskomik aufpeppen zu müssen. Im zweiten Teil kommt das Stück zu sich selbst und geht herzhaft-flott und (sprach-)witzig über die Bühne (Klaus-Ulrich Jacob), die allerdings etwas irritiert. Von Treppe bis Tür grellgrün angestrichen, soll die Architektenbehausung wohl "Frühling" symbolisieren, ist aber trotzdem krass scheußlich. Sonst ist dieser "Seestern" ein vergnüglicher Abend und für alle Paare mit weit auseinanderliegendem Geburtsdatum ein Mutmacher: Denn was heißt heute schon Alter, wenn man sich mit 50 plus und mehr noch fit wie 30 fühlt?

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