Jungstar der Weltklasse

- Seit Riccardo Muti am 2. April 2005 seinen Rücktritt als musikalischer Direktor der Mailänder Scala bekannt gab, fiel in der Diskussion um dessen Nachfolge häufig der Name von einem der interessantesten Jungstars unter den Weltklasse-Dirigenten: Daniel Harding. Als 17-jähriger wurde er 1993 von Simon Rattle entdeckt, der ihn als Assistenten nach Birmingham holte, wo Harding ein Jahr später beim City of Birmingham Symphony Orchestra debütierte. Zwanzigjährig übernahm Harding die Assistentenarbeit bei Claudio Abbado in Berlin.

<P>Mit 22 wurde er im norwegischen Trondheim jüngster Chefdirigent der Welt. Derzeit weilt der knapp 30-jährige Brite in München, um Donnerstag und Freitag (jeweils 20:05 Uhr) gemeinsam mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Alban Bergs "Wozzeck" konzertant im Herkulessaal aufzuführen. Die Titelpartie singt Dietrich Henschel, Marie ist Solveig Kringelborn.<BR><BR>Harding will bisher noch nichts davon gewusst haben, dass er für Mailand im Gespräch sei, und zeigt sich total amüsiert: "Das ist die tollste Geschichte, die ich je gehört habe. 2007 fange ich in Stockholm als Musikdirektor des Schwedischen Radio Symphonieorchester an. Und zugleich bin ich während dieser Zeit ,Principal-Guest Conductor beim London Symphony Orchestra. Mit diesen beiden Orchestern und als drittem mit dem Mahler Chamber Orchestra, dessen Chefdirigent ich ja auch bin, will ich zukünftig sehr intensiv arbeiten. Da bleibt mir für den Rest des Jahres gerade mal die Zeit für fünf oder sechs Gastdirigate bei den Klangkörpern, die für mich sehr wichtig und interessant sind."<BR><BR>Das Leben wird sich für Daniel Harding damit durchaus ändern. In der Vergangenheit, genauer gesagt in den letzten zehn Jahren, arbeitete er als Gastdirigent mit zahlreichen renommierten Orchestern, genoss die unterschiedlichen Erfahrungen. Doch inzwischen sind dem Shootingstar unter den Jungdirigenten Sesshaftigkeit und die Konzentration auf wenige Orchester wichtiger, zumal er mittlerweile auch verheiratet und Vater einer kleinen Tochter ist.<BR>"Die Balance zwischen Privatleben und Karriere ist nicht so einfach, weil der Beruf so viele Reisen erfordert, und das ist einer der Gründe, warum ich mich jetzt hauptsächlich auf London und Stockholm konzentrieren will."<BR><BR>"Die Chance, das Stück aufzuführen, bekommt man nicht jeden Tag."<BR>Daniel Harding</P><P>In München wird man Daniel Harding sicherlich auch zukünftig nicht missen müssen. Das Bayerische Staatsorchester und die Münchner Philharmoniker hat er bereits mit Begeisterung dirigiert, jetzt folgen die BR-Symphoniker: "Das Orchester hat eine außergewöhnliche Qualität. Wir spielen hier eines der schwierigsten Stücke, und die Musiker sind sehr ambitioniert. Ich erinnere mich, dass ich das Orchester mal in Birmingham unter Lorin Maazel mit Bruckners Achter gehört habe. Damals war ich vom Klang vollkommen begeistert. Es ist für mich eine große Freunde mit dem Ensemble zu arbeiten, vom Musikalischen wie vom Menschlichen her gesehen."<BR><BR>Die Musik Alban Bergs nimmt im breiten Repertoire Hardings einen besonderen Stellenwert ein, und es war sein Wunsch, hier den "Wozzeck" zu machen. "Das ist kein Stück, das sie einfach auswählen können. Vielmehr kann man es vorschlagen und dann hoffen, dass zugestimmt wird. Die Chance, es aufzuführen, bekommt man nicht jeden Tag, aber Gott sei Dank waren die Leute hier sehr von der Idee begeistert."<BR><BR>Und Daniel Harding findet die eineinhalbstündige Oper auch ohne Szene interessant: "Es ist sehr kompakt, extrem dramatisch, außergewöhnlich schön und tragisch. Ich denke, gerade ein Publikum, dem diese Musik nicht so vertraut ist, und gerade auch ein deutschsprachiges Publikum hat hier sehr viel von der konzertanten Aufführung."</P>

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