Razzia in Augsburg: Terrorverdacht gegen drei Männer

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Jupiters großer Konkurrent

Rolf Boysen liest Ovid: - Von Göttern ist die Rede, vom Chaos, der Erschaffung der Erde, der Goldenen, Silbernen und Ehernen Zeit, von der Habsucht und dem Krieg und vom Zorn des Jupiter. Doch Jupiter ist längst nicht mehr allein auf seinem Olymp. Zu ihm hat sich ein anderer, heutiger, moderner Gott gesellt. Ein Gott der Sprache, des Ausdrucks, der Menschlichkeit, der Schauspielkunst: Rolf Boysen.

Was wäre der Donnergott ohne ihn, der ihm und all seinen Göttinnen und Götterkollegen, den Heroen und Nymphen Kraft der Imagination seiner Stimme Gestalt gibt? Ohne Rolf Boysen, der seine Zuhörer hineinzieht in das für uns Heutige nur schwer zu entwirrende Geflecht der antiken Welt? Der Hörverlag hat jetzt den Mitschnitt von Boysens "Metamorphosen"-Lesung im Münchner Residenztheater herausgebracht. Ein gewaltiges Werk, dramaturgisch genial in eine zeitlich machbare Form gebracht von Laura Olivi.

Rolf Boysen, der sich in seiner Treue zum Kunstwerk, immer treu gebliebene Künstler, erschließt durch seine unglaubliche Wandelbarkeit dem Hörer die mythologischen Geschichten des römischen Dichters Ovid (43 v.Chr.-17 n.Chr.), der in seinen "Metamorphosen" die Welt in ihrem steten Wandel schildert.

"Alles wandelt sich, nichts vergeht", heißt es bei ihm, "vom ersten Ursprung der Welt bis herab zu unseren Tagen", womit die Augusteische Zeit gemeint ist. Die, hören wir Boysen zu, gar nicht so weit von uns entfernt scheint. Darin aber liegt ja die einzigartige Größe seiner Kunst: die Dichtung, ohne sie je zu verletzen, von heute aus zu verstehen und allein mit der Sprache eine ganze Welt zu imaginieren.

Und der Hörer versteht: Der Kosmos wohnt dem großen Künstler inne, aus ihm heraus schöpft und gestaltet Boysen die durch Götterwille, Naturkatastrophen und Kriege gepeinigten Figuren. Hier kann jeder erleben, wie Handlung wahrhaftig wird durch Stimme, Timbre, Rhythmus, Klang; wie sich Text verwandelt in Erotik, Hass und Gewalt, in Liebe, Trauer und Tod. Nicht eine Silbe möchte man von Boysen missen.

Ovid: "Metamorphosen", gelesen von Rolf Boysen (der hörverlag).

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