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Verhängnisvolles Geschäft: Der schwerreiche Baron Lefuet (Justus von Dohnányi, re.) kauft Timm Thaler (Arved Friese) dessen Lachen ab. Liest man den Namen „Lefuet“ andersherum, wird klar: Es ist ein Pakt mit dem Teufel.

Interview zur Neuverfilmung von „Timm Thaler“

Justus von Dohnányi: „Lachen ist ein Rettungsanker“

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Justus von Dohnányi glänzt als Baron in der Verfilmung von „Timm Thaler“ – ein Gespräch über die Kraft des Humors.

Kaum einer changiert so herrlich zwischen Freundlicher-Onkel-Lächeln und fieser Fratze: Justus von Dohnányi, der gern in die Rolle abgründiger Charakter schlüpft, ist prädestiniert für den Part des bösen Barons in „Timm Thaler“. Der Film kommt nun als Neuverfilmung in die Kinos. Der 56-Jährige war bis Ende der Neunzigerjahre Ensemblemitglied im Schauspiel Frankfurt und des Thalia Theaters Hamburg. Seit seinem Auftritt als sarkastischer Aufseher in Oliver Hirschbiegels „Das Experiment“ 2001 begeisterte er in Kino und Fernsehen mal als herzloser Gauleiter Stein in „Napola“ und dann wieder in komischen Rollen wie der des Schlagerstars in Simon Verhoevens Komödie „Männerherzen“. Im Interview zeigt sich, dass er im wahren Leben nichts Böses an sich hat. Die bange Frage vorab, ob sein Hang zu diabolischen Charakteren einzig der Lust am Schauspiel gewidmet sei, beantwortet er mit diesem unnachahmlich fiesen Grinsen. Dann lacht er herzlich und betont: „Ja, das ist wirklich nur gespielt. Keine Angst!“

-Ein Film über das Lachen, wie wunderbar! Ist Ihnen während des Drehs bewusst geworden, was für eine unheimliche Ressource das Lachen im Leben ist?

Ich bin bestätigt worden. Es ist ja so, dass es in vielen, vielen Kulturen in den tragischsten Momenten den Witz als Rettungsanker gibt. Das ist etwas, was mir immer bewusst war. Der Witz, der sich aus der Not heraus entwickelt hat, ist oft ein sehr kluger und ein sehr feiner, ein sehr guter Witz. Der hilft einem, wenn man Humor hat, über das eine oder andere im täglichen Leben hinweg.

-Kennen Sie das: Man ist total verzweifelt und kann nur noch lachen?

Oh, ja! Ja! Ich sage mal so: Glücklich die, die das können. Die, die das nicht können und dann verbittern oder böse werden, tun mir leid. Ich finde, die Menschen unterscheiden sich ganz stark in der Frage: Hab’ ich Humor oder hab’ ich keinen? Das ist entscheidend für das Zusammenspiel, die Sympathie und das Verständnis füreinander.

-Sie scheinen Humor zu haben. Wie leicht fiel es Ihnen, das Lachen auf Knopfdruck hinzubekommen?

Nun, wenn ich in einer Proben- und Drehsituation bin, ist die Verabredung schlichtweg, dass man darüber nicht mehr nachdenkt, sondern sich einfach reinschmeißt. Wenn es nicht gelingt, werde ich das schon gesagt bekommen. Dann mache ich es einfach noch mal. (Lacht.)

-Das ist das Gute beim Film, am Theater hat man diese Chance nicht...

Stimmt, dafür hat man da die Zeit, sich dorthin zu entwickeln. Das Ad-hoc-Lachen beim Film ist allerdings gar nicht so leicht herzustellen – weil es aus dem ganzen Körper kommen muss. Da kann man nicht schummeln wie beim Zornigsein. Lachen muss von Herzen kommen.

-Nun ist es nicht nur ein Film über das Lachen, sondern auch über den Pakt mit dem Teufel. Würden Sie einen solchen Pakt eingehen? Beispielsweise ewiges Leben gegen Ihre charismatische Stimme?

Nein, würde ich nicht, nein. Der Pakt mit dem Teufel beinhaltet ja, dass er zuungunsten seines Vertragspartners geht. Und die Vorstellung eines ewigen Lebens ist für mich ohnehin eine Qual.

-Zumal, wenn man es alleine leben muss...

Das passiert dann relativ schnell.

-Wobei, man könnte ja sagen, dass alle wichtigen Bezugspersonen auch das ewige Leben bekommen.

Ja, aber äh... ich glaube, auch das wäre, wenn man es lange durchdenkt, nicht sonderlich erstrebenswert.

-Die Geschichte nach James Krüss bietet auch viele politische Seitenhiebe. Ist das die besondere Qualität des Films?

Das macht ihn auf jeden Fall aus. Viele Filme haben irgendeinen moralischen Aspekt, so einen Moment, an dem man sagt: Schau mal, das ist auch noch eine Message, die wir dir mitgeben. Das Gute soll obsiegen und, und, und. Aber die Geschichte von Timm Thaler vermittelt von sich aus bereits eine bestimmte gesellschaftskritische Position. Krüss hat das Buch Anfang der Sechzigerjahre geschrieben, im Kontext des Wirtschaftswunders, als alle nur noch an den Aufschwung und an den Konsum dachten – da wirft er die Frage auf, ob das nun wirklich das Glücklichmachende ist oder ob es Dinge gibt, die viel wichtiger sind für unser Leben.

-Andreas Dresen endet mit einer Botschaft an alle Kinder, die sich einsam fühlen. Kann ein Film trösten?

Das hoffe ich sehr. Das ist ja das Bemerkenswerte: Unsere Seele sucht und findet Trost auch in den Momenten, in denen es den kaum zu geben scheint. Es ist erstaunlich, wie gerade so eine Kinderseele in schwierigsten Lebenssituationen in eine eigene Spielwelt entfliehen kann.

-Auch der Teufel hat es nicht immer leicht. Er scheint nicht so glücklich in seiner Rolle des Bösen.

Nee, der hat anscheinend auch ein paar Probleme. Das gefällt mir so an der Rolle – dass es nicht nur ein Abziehbild des kalten Bösen ist. Sondern dass auch er auf der Suche nach etwas ist. Der wollte seinen Klumpfuß loswerden, das hat er geschafft, dann will er ein Lachen haben. Er will sich vermenschlichen. Das ist doch erstaunlich, dass sich ausgerechnet der Teufel nach schönen blauen Augen und einem herzlichen Lachen sehnt. Er tut zwar so, als brauche er das, um seine Gewinne maximieren zu können, doch zwischen den Zeilen wird deutlich, dass auch er sich nach mehr sehnt als nur dem Profit.

-Es hat Spaß gemacht, das zu spielen, oder?

(Lacht.) Ja, natürlich. Das ist toll, in solche Rollen schlüpfen zu dürfen. Die sind sehr saftig und kraftvoll. Und geben viele Spielmöglichkeiten.

-Wie sehr haben Sie sich an Horst Frank orientiert, der den Baron einst in der Serie gespielt hat?

Damals habe ich die Serie nicht gesehen. Mit 19 so einen Kinderfilm zu schauen, nee, das war nichts. Jetzt habe ich mal reingeguckt, aber nur, um einen Eindruck zu haben, nicht, um es als Vorbild zu nutzen. Für mich ist entscheidend: Was will der Andi (Dresen; Anm. d. Red.) für eine Geschichte erzählen? Daran habe ich mich orientiert – nicht daran, wie es damals gemacht worden ist.

-Haben Sie nicht Sorge, wie Fans von damals reagieren werden?

Nee, habe ich nicht. Klar wird es Leute geben, die sagen: Ach, da habe ich so schöne Erinnerungen, das war doch das Allerschönste. Das ist auch völlig legitim. An unserer Verfilmung gefällt mir aber, dass das so ein klein bisschen in diese zeitlose Märchenwelt gezogen wird – das ist klasse, weil der Film dann nicht so schnell altert.

-Mit modernen Anspielungen, die das Publikum zum Lachen bringen. Worüber lachen Sie privat?

Ich lache gerne über englischen Humor, über jüdischen Humor, über schwarzen Humor. Und ich muss gestehen, dass ich mich auch einer idiotischen Slapstick-Nummer oft nicht entziehen kann. Wenn mir selbst Missgeschicke passieren, bin ich glücklich darüber, wenn ich das mit einem Schmunzeln nehmen kann.

-Als Schauspieler sind Sie bestimmt einer, der etliche Witze parat hat?

Leider nein! Sie glauben gar nicht, wie oft ich mir schon vorgenommen habe, nachdem ich mich nach dem Hören eines Witzes ausgeschüttet habe vor Lachen: Den vergisst du nicht, der ist wirklich gut! Zack, war er weg.

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