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Bekannt ist Christian Springer von seiner Rolle als "Fonsi".

Kabarettpremiere

Christian Springer mit "oben ohne" im Schlachthof

München - Die Schirmmütze des Kassenwarts "Fonsi" des Schloss Neuschwanstein hat Christian Springer abgelegt. In seinem neuen Programm „Oben ohne“ im Münchner Schlachthof trägt er Anzug.

Schon als „Fonsi“ konnte sich Christian Springer herrlich in Rage reden – und mit dem Klischee aufräumen, alle Menschen in Uniform machten keine (geistige) Bewegung zu viel. Die Schirmmütze des Kassenwarts von Schloss Neuschwanstein hat der Kabarettist nun abgelegt und die Uniform gegen den Anzug getauscht. Nicht nur deswegen heißt sein neues Programm, das am Donnerstag im Münchner Schlachthof Premiere hatte, „Oben ohne“.

Mit „oben“ kann auch die Stelle angesprochen sein, an der idealerweise das Hirn seinen Platz hat, aber eben – aus der Sicht des Kabarettisten – nicht bei jedem. Die ideale Ausgangssituation aufzuzeigen, wo’s überall fehlt.

Und da wird der Münchner, wen wundert’s, sofort fündig. Der aktuelle Konflikt zwischen Russland und Resteuropa ist nur das Entrée für weite Gedankensprünge von der Weltpolitik über den Baumarkt, die gefährdete Männerdomäne, bis tief hinein nach Bayern und wieder zurück. Es geht um Machtdemonstration und um die Arroganz der Regierenden, um das „beste“ Argument für die schlechteste Entscheidung.

Da sprüht die Fantasie, dass die Sprache kaum nachkommt, wenn Springer das Windrad zum neuen Maibaum erklärt und für die Schaffung einer neuen Tradition wirbt, bei der am Ende die Dörfer um das prachtvollste Exemplar konkurrieren. (Energie-)Wende geschafft!

"Neu denken" ist sein Credo

„Neu denken“ lautet überhaupt sein Credo, ob es nun um die katholische Kirche geht oder um den Irrsinn der Steuergesetzgebung, den er am Beispiel der Mehrwertsteuer virtuos durchdekliniert. Bei aller Süffigkeit seiner Suada – Christian Springer ist im besten Sinne des Wortes ein Moralist, der, fast schmerzhaft unkünstlerisch, sein Publikum auch einmal frontal anspricht, ja anherrscht, es beschwört, sich gefälligst „ein bisschen zu beschäftigen mit den Parteien, die man wählt“. Die Wut ist echt, kein Zweifel, und wenn der 49-Jährige dazu auf seiner Zither herumschrubbt wie der Heavy-Metaler auf seiner Gitarre, dann ist das ein beeindruckendes Ausrufezeichen hinter dem Gesagten.

Die Außenpolitik ist seine Domäne, seine Exkurse über Militäreinsätze wie in Mali basieren auf guter Recherche. Der Krieg zur Verteidigung der Menschenrechte und die konkreten Konsequenzen für die Soldaten – weiß Gott nicht alles ist zum Lachen, doch auch Momente betroffener Stille scheut Springer, der ansonsten oft Atemlose, nicht. Die Idealisierung eines (bayerischen) Innenministers als Versöhner der Menschen unterschiedlicher Nationalitäten mutet pathetisch an, wird jedoch durch Springers eigenes humanitäres Wirken in Syrien beglaubigt. Er ist klug genug, seinen Einsatz nicht zum Thema zu machen. Man weiß es ja – und sieht diesen Abend mit anderen Augen.

Weitere Termine:

Am Samstag, 20.30 Uhr, im Münchner Schlachthof (Tel. 089/72 01 82 64), außerdem am 9. April in der Stadthalle Erding, am 10. April in der Stadthalle Germering, am 11. April im Stadttheater Weilheim.

Rudolf Ogiermann

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