+
Frank Markus Barwasser tourt zunächst mit seinem neuen Solo durch Franken. Im Juli ist er in München.

"Man darf sich nicht verführen lassen"

München - Premiere in Franken: Kabarettist Frank Markus Barwasser spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über sein neues Soloprogramm „Pelzig stellt sich“.

Frank Markus Barwasser alias Erwin Pelzig wieder auf Tour – so sehr wir am Fernsehen kleben, wenn er bei „Pelzig hält sich“ seine perverse Bowle ausschenkt oder in der „Anstalt“ herumturnt – ein eigenes Soloprogramm gab es von diesem Ausnahme-Kabarettisten lange nicht mehr. Und darauf freut sich sein immer noch wachsendes Publikum genau so wie zuallererst er selber. Barwasser sprach jetzt über sein neues Programm „Pelzig stellt sich“, das am 1. Mai nach ein paar Voraufführungen in Bamberg startet und dann auf Franken-Tournee geht, schließlich ist er Würzburger.

Vorfreude?

Es hat unbedingt sein müssen, dass ich wieder auf mein Publikum treffe. Daher komme ich ja auch; ich möchte nicht der reine Fernsehkünstler sein.

Dabei kommt gerade da, im Gespräch mit Ihren Gästen, deren Reaktionen Sie ja nicht voraussehen können, Ihr von niemandem aus Ihrer Branche erreichtes Talent des schlagfertigen Parierens heraus.

Ja, da hilft mir Erwin Pelzig. Ich kann mich auf die Figur verlassen und staune selber, was dem einfällt. Das gibt mir eine Sicherheit, die ich ohne ihn nicht hätte.

Wie fragen Sie Ihr Gegenüber?

Höflich. Pelzig fragt für mich und fürs Publikum – Ich frage, was ich selber wissen will. Ich möchte jedem ins Gesicht sagen, was ich meine. Es klappt umso besser, je authentischer die Gäste sind. Jede Pose entlarvt sich sofort. Das Image der Sendung ist gut. Eine Einladung gilt inzwischen als Ritterschlag. Inzwischen habe ich viel gelernt, auch über mich, und es reizt mich, wieder einen längeren Gedanken zu entwickeln.

Welches ist der rote Faden im neuen Programm?

Es geht um Selbstbetrug, um die Widersprüche, die wir uns schönreden. Menschen neigen nicht dazu, sich von ihren Grundhaltungen zu trennen. Da werde ich von der Privatperson aufs Allgemeine kommen, auf den Selbstbetrug der Sparpakete, die Fragwürdigkeit, Politik mit Schulden zu bezahlen. Die große Umverteilung hat ja System. Die Krise spielt in dem Programm eine Rolle. Es reicht mir jedenfalls nicht, wieder mal auf Klerikale, die Deutsche Bahn und Josef Ackermann einzuprügeln. Das sind Feindbilder, von denen man sich als Kabarettist ernähren kann, aber das ist zu wenig.

Stattdessen?

Es muss immer ein künstlerischer Aspekt dabei sein. Vor allem: Pelzig ist ein Suchender, ein Zweifelnder, keiner, der auf alles eine Antwort hat. Er ist ein Fragender. Und außerdem: Man hat Verantwortung. Man darf sich nicht verführen lassen vom Draufhauen.

Man hat den Eindruck, dass Sie über die heutige sozio-politische Lage einer der derzeit Bestinformierten sind (Barwasser ist promovierter Politikwissenschaftler; Anm. d. Red).

Naja, ich bin ein wacher Mensch. Ich muss halt sehr viel lesen. Die Welt hat sich auch verändert. Vor zehn Jahren war der Wirtschaftsteil in der Zeitung noch nicht so wichtig. Heute ist er für mich das Entscheidende. Ich lese auch nicht nur auf die Pointe hin. Mich ganz persönlich machen die Dinge traurig, auch ängstlich. Ich lese viel Fachliteratur und könnte eine Literaturliste zu meinem Programm herausgeben. Die Kunst ist, das durch den Pelzig als Katalysator zu jagen.

Aber dafür haben Sie ja noch Ihre alten Helfer Dr. Göbel und Hartmut.

Auf diese Zwischenspiele freue ich mich ganz besonders. Die beiden sind übrigens immer beleidigt, dass sie nicht ins Fernsehen dürfen...

Sie halten ein richtiges dickes Manuskript in der Hand. Wie merken Sie sich die Textfülle?

Ich habe mir 20 Stichworte gemacht zu den Themen. Aber wenn etwas mit dem Text nicht stimmt, kann ich ihn mir auch nicht merken. Das Programm ist offen, kann immer noch verändert werden je nach Aktualität. Aber ich muss aufpassen, dass es nicht zu lang wird. Alles, was eine bestimmte Länge überschreitet, grenzt an Körperverletzung am Publikum.

Das Gespräch führte Beate Kayser.

Termine in München

am 12. Juli im Circus Krone und am 18., 19., 20. und 22. Juli im Schlachthof.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Filmfest München würdigt Sofia Coppola
Unübliche Welten, besondere Beziehungen: Das Filmfest München hat Sofia Coppola für ihre eigene Filmsprache gewürdigt.
Filmfest München würdigt Sofia Coppola
Der Freundeskreis bringt die Münchner in Wallung
Freundeskreis feierten beim Tollwood-Festival mit Joy Denalane sowie den Rappern Afrob und Megaloh ihren alten und neuen Erfolg.
Der Freundeskreis bringt die Münchner in Wallung
Don Giovannis Kampf mit Gott
Die vielen Frauen genügen ihm nicht mehr, als finale Herausforderung sucht dieser Don Giovanni den Kampf mit dem Gekreuzigten. Herbert Föttinger inszenierte Mozarts Oper …
Don Giovannis Kampf mit Gott
Rea Garvey auf dem Tollwood: Glücklichsein ist so einfach
Von Jung bis Alt können sich die meisten Musik-Fans auf Rea Garvey einigen. Woran das liegt, zeigt er bei seinem Auftritt auf dem Tollwood. Die Nachtkritik.
Rea Garvey auf dem Tollwood: Glücklichsein ist so einfach

Kommentare