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Stolze Preisträgerin: Kabarettistin Martina Schwarzmann wurde am Sonntag die „Bairische Sprachwurzel“ verliehen.

Dialektförderpreis für Schwarzmann

Große Ehre für Mutter Zivilcourage der Bairischen Sprache

„Gscheid gfreid“ hat sich Martina Schwarzmann am Sonntag. Die Kabarettistin erhielt die „Bairische Sprachwurzel“. Damit wurde ihr Einsatz zur Rettung der Dialektvielfalt gewürdigt.

Straubing - „Die Bairische Sprache ist für mich alternativlos“, sagt Martina Schwarzmann und fügt lachend hinzu: „Sie ist ja die einzige, die ich kann.“ Ins Hochdeutsche wechselt die Kabarettistin, die aus Fürstenfeldbruck stammt und in Altomünster (Kreis Dachau) wohnt, nur in Ausnahmefällen.

Wenn sie mit ihren Programmen auf Tour ist, ist es ihr schon einige Male passiert, dass ihr Dialekt nicht verstanden wurde. „Wenn ich zum Beispiel ein Hefeweizen bestellt habe, habe ich öfter Karamalz bekommen“, erzählt die 38-Jährige. Nach einigen Gläsern des alkoholfreien Malzbieres reichte es ihr – seitdem gibt es sie ihre Bestellung auf Hochdeutsch auf, wenn ihr Gegenüber der Bairischen Sprache nicht mächtig ist.

Einsatz für Dialektvielfalt ausgezeichnet

Ansonsten bleibt Martina Schwarzmann ihrer Muttersprache treu, auf und abseits der Bühne. Dafür erhielt sie am Sonntag im niederbayerischen Straubing die „Bairische Sprachwurzel“ . Mit dem Preis würdigte der „Bund Bairische Sprache“ den Einsatz der Oberbayerin für die Dialektvielfalt. Ihr aktuelles Programm heißt „Gscheid gfreid“ - und so ging es ihr auch, als sie erfuhr, dass sie die Glasskulptur bald zu ihren anderen Preisen ins Regal stellen darf. „Und ich habe mich umso mehr über die Auszeichnung gefreut, als ich die Liste der bisherigen Preisträger gesehen habe.“

Martina Schwarzmann ist die 13. Preisträgerin der „Bairischen Sprachwurzel“, die seit 2005 verliehen wird. Sie gesellt sich damit zu dem emeritierten Papst Benedikt XVI. (er erhielt die Auszeichnung 2006), der Kabarettistin Luise Kinseher (2012) und dem Regisseur Markus H. Rosenmüller (2013). Im vergangenen Jahr wurde Pfarrer Rainer Maria Schießler aus München ausgezeichnet, der seine Predigten im Dialekt hält.

Laudatio von TU-Präsident im Dialekt

„Eine Lehrhafte fürs Volk“ nannte TU-Präsident Wolfgang A. Hermann Martina Schwarzmann in seiner Laudatio – die er als gebürtiger Kelheimer natürlich im Dialekt hielt. Darin rühmte er ihre Beiträge zur Erhaltung der bairischen Mundart als „kulturelles Erbe in einem Europa, das in der Sprachenvielfalt seine unübertroffene Identität lebt“.

Vorsitzender Sepp Obermeier bezeichnete sie als „Mutter Zivilcourage der Bairischen Sprache“. Als er vor ihren Auftritt in der Kultursendung „ZDF-Nachtstudio“ zum Thema „Heimat - Hölle oder Himmelreich“ mitverfolgte, war ihm klar, dass sie die Auszeichnung erhalten musste. „Martina Schwarzmann hat sich nicht dem Standarddeutsch der Diskussionsrunde angepasst, sondern auf mittelbairisch philosophiert.“ Damit habe sie laut Obermeier die bairischen Dialekte auf Augenhöhe mit der Standardsprache salonfähig gemacht. Zudem gebe sie ihren Dialekt an ihre drei Kinder weiter. „Ihr Vorbildcharakter und Multiplikationseffekt sind nicht hoch genug einzuschätzen.“

Aktuelles bairisches Lieblingswort: „oreidig“

Mit den Ausdrücken, die ihre Kinder benutzen, wechselt auch ihr bairisches Lieblingswort regelmäßig, erzählt sie. Zur Zeit ist es „oreidig“. Damit habe der Nachwuchs vor kurzem die Toilettensituation bezeichnet, die er auswärts vorgefunden habe. Und sie freut sich besonders, wenn ihre zweijährige Tochter immer neue Wörter lernt und zum Beispiel im Schwimmbad ins Babybecken „hupfa“ will.

Zuhause sprechen alle selbstverständlich Dialekt, sagt sie, genauso wie sie bei Bedarf ins Hochdeutsche wechseln, im Kindergarten oder in der Schule. „Es ist gut, wenn sie beides können, dann müssen sie später kein Karamalz trinken.“

Teresa Pancritius

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