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Mariss Jansons fühlt sich von der Politik an der Nase herumgeführt.

Chefdirigent verärgert

Jansons zu Philharmonie-Umbau: "Wurden zum Narren gehalten"

München - Das bayerische Kabinett hat sich hinter die Pläne von Horst Seehofer und Dieter Reiter gestellt, die Philharmonie nur umzubauen. Das will sich der Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters nicht gefallen lassen.

Der Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters, Mariss Jansons, fühlt sich bei der Konzertsaal-Entscheidung von der Politik an der Nase herumgeführt. „Wir wurden zum Narren gehalten“, sagte Jansons am Dienstagnachmittag in München. Die Politik habe zehn Jahre lang mit immer wieder neuen Ideen und Vorschlägen auf Zeit gespielt. Von der Entscheidung gegen einen eigenständigen dritten Konzertsaal sei er dann absolut überrascht gewesen.

Mariss Jansons (l.) mit BR-Intendant Ulrich Wilhelm.

„Schockiert“ habe ihn, dass die Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BR) nicht an dem entscheidenden Gespräch im München Rathaus teilnehmen konnten, sagte Jansons. Er kündigte an, zusammen mit dem Orchester weiter für einen neuen Saal zu kämpfen.
Dass es Zeit für einen neuen Konzertsaal ist, findet auch BR-Intendant Ulrich Wilhelm. "Seit Jahren hat sich nichts an der Zahl der Sitzplätze geändert. Das ist eine Stagnation angesichts steigender Einwohnerzahlen in München", so Wilhelm. Er betonte, dass ein neuer Konzertsaal sich nicht an eine kleine Minderheit richte, sondern ganz München nutzen würde.

Kabinett will "Zwillingslösung" prüfen

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatten vor gut einer Woche verkündet, statt einem weiteren Konzertsaal die Philharmonie am Gasteig zu entkernen und dort einen neuen Aufführungsort zu errichten.

Ungeachtet heftiger Kritik aus der Kulturszene stellte sich das bayerische Kabinett am Dienstag hinter den von Seehofer und Oberbürgermeister Dieter Reiter ausgehandelten Plan.

Dieser sieht vor, dass in der alten Hülle des Kulturzentrums Gasteig ein komplett neuer Konzertsaal entstehen soll. Dort soll neben den Münchner Philharmonikern auch das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks eine Heimat bekommen, mit abwechselnden Belegungsrechten.  "Das Kabinett hat beschlossen, die Zwillingslösung zu prüfen", sagte Marcel Huber, Leiter der Bayerischen Staatsregierung, am Dienstag. Damit verbessere München das kulturelle Angebot. Zugleich scheinen diese Pläne realisierbar zu sein. Der öffentliche Druck sei so hoch, dass die Prüfung der neuen Pläne sich nicht über Jahre hinziehen sollte. Doch "es sind einige Gutachten nötig", sagte Huber.

Pläne für neuen Konzertsaal liegen auf Eis

Pläne für einen weiteren Konzertsaal werden damit auf Eis gelegt. Aber "bisher sind sie nicht für tot erklärt", so Huber. Die aufkommenden Kosten hätten nicht gegen einen Neubau gesprochen. Doch in absehbarer Zeit sei kein vernünftiger Standort in Sicht.

sw/ dpa

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