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„Ich bitte um Nachsicht“: Dieter Dorn, einstiges Oberhaupt von Theaterwundertieren.

Ex-Intendant Dieter Dorn

Der Kaiser kehrt heim

München - Ex-Intendant Dieter Dorn las im vollbesetzten Münchner Residenztheater aus seiner Autobiografie „Spielt weiter!“.

Die Zeit soll es dann gewesen sein. Die erbarmungslos tickende Uhr, die das Vorlesen eines der schönsten Kapitel verhinderte: jenes, als sich Sunnyi Melles mit Sibylle Canonica fetzte. Nicht nur stückgemäß im „Gott des Gemetzels“, sondern, Weinkrampf inklusive, auch während der Proben „bis zur Selbstparodie“, so der Autor. Mutmaßlich lag es aber an anderem, dass sich Dieter Dorn diesen köstlichen Abschnitt seiner Autobiografie verbat: Es war der Respekt vor seinen Schauspielwundertieren.

Ein Kaiser, als der er vor zwei Jahren in Kleists „Käthchen von Heilbronn“ zu erleben war, kehrte heim in sein früheres Reich. „Nur“ eine Lesung war dies von Dorns Autobiografie. Und dennoch Parkett und Ränge des Residenztheaters voll besetzt. Viele Weggefährten und Freunde, darunter Michael von Au, Arnulf Schumacher, Ottfried Fischer oder Wagner-Star Waltraud Meier. Vor allem aber die vollzählig versammelte Familie der Dorn-Bewunderer – jene, die durch ihn Theater sehen und verstehen gelernt haben. Die noch einmal, erfüllt von nostalgischen Gefühlen, ein Vierteljahrhundert Münchner Schauspielgeschichte feierten. „Nur große Texte“ habe er bisher auf dieser Bühne behandelt, sagte der 77-Jährige zu Beginn. „Ich bitte also um Nachsicht.“

Nie zu gelehrtes Theaterlehrbuch und herrliche Anekdotensammlung ist dieses Buch. Und dass es die Balance hält zwischen beidem, ist sein größtes Verdienst. Verständlich, dass bei einem solchen Anlass das Anekdotische überwog. Dorn trug vor, unterbrochen von kurzen Moderationen und Ehrerbietungen C. Bernd Suchers. Die Anfänge mit Brecht, die Flucht in den Westen, der Beginn in der Provinz, das Umschwenken von der Schauspielerei zur Regie, das Kennenlernen der Weggefährten, schließlich die großen Jahre an den Kammerspielen und am Resi, all das trug Dorn recht geschwind, mit Hang zum trockenen Humorton vor. Theaterhistorie im Schnelldurchlauf. Für Vertiefendes gibt es schließlich das Buch.

Von Markus Thiel

Dieter Dorn:

„Spielt weiter“. Beck Verlag, München, 427 Seiten; 24,95 Euro.

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