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Noch ohne großes kaiserliches Pathos – und dennoch wirkungsvoll: Maximilian Schell bei der Probe im Fröttmaninger Zelt des Deutschen Theaters, das nun auch dem Gärtnerplatztheater vorübergehend Heimstatt ist.

Der Kaiser kommt nach Fröttmaning

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Der Kaiser kommt nach Fröttmaning

Gärtnerplatz-Intendant Josef E. Köpplinger probt mit Theater- und Filmlegende Maximilian Schell das „Weiße Rössl“

von malve gradinger

Ralph Benatzkys „Im Weißen Rössl“ als Antritts-Inszenierung am Münchner Gärtnerplatztheater (Premiere am 11. Oktober) ist schon mal keine schlechte Wahl. Dieses beschwingt-verschmitzte Singspiel von 1930 um diverse Herzensnöte im schönen Salzkammergut – Sahnehäubchen noch die musikalischen Einlagen von Bruno Granichstaedten, Robert Gilbert und Robert Stolz –, ist Evergreen, Kassenmagnet, einfach der Hyperknaller, wenn gut gemacht. Und da der Österreicher Josef E. Köpplinger, Münchens neuer Gärtnerplatz-Intendant, seinen berühmten Landsmann, Theater- und Filmlegende Maximilian Schell (81), für die Rolle des Kaisers gewinnen konnte, scheint alles auf dem besten Wege.

Schell! 1961 Oscar-Preisträger als bester Hauptdarsteller in Stanley Kramers „Das Urteil von Nürnberg“ und dann Weltkarriere: als Schauspieler, als Regisseur, als Autor. Ein Monument. Also Fotografenansturm wie beim Cannes-Filmfestival. Wo man doch nur zu einer Bühnenprobe geladen war ins Fröttmaninger Zelt des Münchner Deutschen Theaters, Ausweichquartier jetzt auch fürs zu sanierende Gärtnerplatztheater. Dort Blick auf eine Kitschpostkartenidylle: blauer Himmel, Wölkchen, schneeweiße Bergkuppen und putzige Wolfgangsee-Wellen. Gerade kabbeln sich Fabrikant Giesecke und Rechtsanwalt Siedler. Dann choreographische Einlage zwischen Walzerschritt und klassischer Vokabel von Tanzchef Karl Alfred Schreiners Ensemble. Und schon kann der aus Liebeskummer angesäuselte Leopold seine bisher abweisende „Rössl“-Wirtin auf die Knie zwingen: Die braucht jetzt ja ganz dringend ihren Kellner Poldi – denn der Kaiser hat sich angesagt. Maximilian Schell entsteigt einem Quasi-Schiffchen, ohne großes kaiserliches Pathos. „Nur nichts behaupten, einfach sein“, sagt Köpplinger danach zu seinem Konzept für die Kaiser-Rolle. Es sei ja ein Abgesang auf die Zeit Franz Josephs. Und der große Schell dazu: „Ich finde mich falsch für die Rolle des Kaisers.“ Er sagt das so geradeheraus. Und deshalb glaubwürdig. Und bei all den vielen Journalisten-Fragen: Wie er sich auf die Rolle vorbereite, was ihn noch so jung erhalte – vielleicht seine junge Frau? Ob er Sport treibe? Ob er jetzt ein neues Filmprojekt habe, ein neues Buch schreibe? Ob er sich mit dieser Rolle nicht unter Wert verkaufe? Grandseigneur Schell bleibt gelassen lapidar. „Ich habe ja auch den Salzburger Jedermann gespielt“ (1978-82, Anm. d. Red.), kontert er schlicht. Und hätte anfügen können, dass auch andere Elite-Schauspieler, Walter Schmidinger zum Beispiel, die Rolle nicht verschmäht haben. Von wegen der Jungbrunnen-Andeutungen bittet er seine abseits wartende Frau, die 48 Jahre jüngere aparte Opernsängerin Iva Mihanovic, sich mal kurz der Frage-Gesellschaft zu zeigen. Das passiert selbstverständlich, ganz unpeinlich. Es ist diese gelöste Art eines Künstlers, der seit über einem halben Jahrhundert fast alles gespielt oder selbst inszeniert hat – für den nichts mehr von überragender Wichtigkeit scheint.

Schell schwebt irgendwie über den Fragen. Mal beantwortet er sie: Ja, er habe einen Heimtrainer und auch an seine bescheidene Alm in Österreich einen Pavillon für einen Swimmingpool angebaut. Oft aber plaudert er an den Fragen vorbei: zurück zu Begegnungen mit berühmten Kollegen wie John Gielgud und Robert Altman. Zu Gründgens und seiner Aussprachekunst, zu Übersetzungsfinessen in „Hamlet“. Er sei zwar einmal im realen „Weißen Rössl“ gewesen, aber das Singspiel habe er nie gesehen. Auf die Rolle bereite er sich jetzt vor mit einem Film über Kaiser Franz Joseph. „Und die Arbeit macht mir Spaß“, sagt er. „Mein Beruf ist ja nur möglich mit viel Liebe. Sie wissen gar nicht, wie schön es ist, auf eine Probe zu kommen und so viele neue Menschen kennenzulernen.“ Demnach müsste Schell einen sehr gütigen Kaiser spielen.

Die Einführungsmatinee

zum „Weißen Rössl“ mit Regisseur und Gärtnerplatz-Intendant Josef E. Köpplinger sowie Maximilian Schell findet statt an diesem Sonntag um 11 Uhr im Akademietheater, Prinzregentenplatz 12. Karten gibt es unter der Telefonnummer 089/ 21 85 19 60 oder eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn an der Theaterkasse.

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