Nur kalter Kaffee

- Da wird die Bühne zur Gruft, die Helden wandeln als Kompostis, und die 70er-Jahre sind uns an diesem Abend so fern wie nie. Kaum ist der duftende Dunst verflogen, mit dem pünktlich zu Beginn der "Klimbim"-Premiere in Münchens Kleiner Komödie am Max II das Publikum kräftig eingenebelt wird, da heben sich nach und nach knarzend die Sargdeckel. Und als quasi Tiefgefrorene tauen auf Gaby und Jolanthe, Adolar, Opa und der Bestattungsunternehmer, fünf göttliche Comedy-Schlampen aus dem bundesdeutschen Fernsehparadies von einst.

<P>Eine von ihnen ist Horst Jüssen, Schauspieler und hier auch Autor. Er hatte die Idee, sich selbst und die anderen Kalauer-Könige aus Michael Pfleghars damals sensationeller "Klimbim"-Serie theatralisch zu reanimieren. Was leichter gesagt als getan ist. Die erste Hürde, sie alle noch einmal zusammen zu bekommen, wurde erfolgreich genommen: Ingrid Steeger, zahnlückige, frühreife und mit dem Text kämpfende Göre wie eh und je; Elisabeth Volkmann, vollbusig-straffe Tinnef-Tussi auf Männerfang; Wichart von Roell, militaristisch-verblödeter Polteropa; Jüssen, der Gaga-Gatte; und Peer Augustinski, Dauer-Depp von der Waterkant. "Ausgediente Feldhaubitzen" allesamt. Alles, was an ihnen "einmal knackig war, ist jetzt", wie's auf der Bühne heißt, "zerknitterte Auslegware".<BR><BR>Aber das ist nicht das Problem. Denn die Schauspieler der "Klimbim"-Familie haben sich den Witz von Vorgestern über die vergangenen drei Jahrzehnte bewahrt und stehen nun mit einigem Humor auf der Bühne bereit zu schonungsloser Selbstironie. Was sie ehrt. Mit ihnen hätte ein "Klimbim"-Aufguss eine heiße Sache werden können. Dass es aber nur zu kaltem Kaffee reicht, ist Autor Jüssens Schuld. Er scheitert an der zweiten Hürde, dem Schreiben. Sein Stück, das er "Die Klimbim Familie lebt" nennt, ist eher tote Hose.<BR><BR>Ab in den Sarg</P><P>Da gibt's denn auch für Regisseur Thomas-Louis Pröwe nichts, das er hätte inszenieren können. Es gibt nichts zu spielen in dieser mal launigen, oft mäßigen Aneinanderreihung von Bonmots, Aphorismen, Eitel-Ausflügen in die eigene Lach & Schieß-Vergangenheit und anderen Reminiszenzen an früher. Da fielen auch Bühnenbildner Martin Kinzlmaier über übliche Schablone hinaus nur die Holzkisten der Anfangsszene ein. Die sollte zumindest Horst Jüssen später, wenn alles vorbei ist, noch einmal verwenden, um den Schriftsteller in ihm doch besser einsargen zu lassen.</P><P>Bis 5. 9., täglich außer Montag, Tel. 089/ 22 18 59.</P>

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