Vom Kamel zum gelben Hund

- Die Dokumentation "Die Geschichte vom weinenden Kamel" entwickelte sich zu einem Überraschungserfolg, der in Deutschland 250 000 Kinobesucher verbuchen konnte und auf internationalen Festivals gefeiert wurde. Nun ist der Film der Münchner Filmstudenten Byambasuren Davaa und Luigi Falorni für den Oscar als bester Dokumentarfilm nominiert. Davaa (33) hatte seinerzeit die Idee, weinende Kamele in ihrer mongolischen Heimat zu drehen.

Wie haben Ihre Mit-Studenten auf die Nachricht reagiert?<BR><BR>Davaa: Euphorisch. Alle haben sich aufrichtig für mich gefreut, und das war ein sehr schönes Gefühl. <BR><BR>Ihre Familie lebt noch in der Mongolei. Hat sie eine Vorstellung davon, was der Oscar ist?<BR><BR>Davaa: Letztes Jahr hat die Mongolei "Die Geschichte vom weinenden Kamel" als besten fremdsprachigen Film ins Rennen um den Oscar geschickt, und seitdem wissen alle, dass das ein wichtiger Preis ist. <BR><BR>Aber welche Bedeutung der Oscar für Filmemacher im Westen hat, ahnt wohl kaum jemand?<BR><BR>Davaa: In der Mongolei hat man gerade erst angefangen, sich mit diesen Dingen zu beschäftigen. Aber die Sache hat natürlich einen anderen Stellenwert als etwa in Deutschland. Die Oscar-Verleihung wird in der Mongolei auch nicht im Fernsehen übertragen - das ist alles weit weg. <BR><BR>Jetzt sind alle vom "Kamel" begeistert, aber war es seinerzeit nicht schwierig, dieses doch recht eigenwillige Projekt zu finanzieren?<BR><BR>Davaa: Alle haben immer ungläubig gelacht, wenn ich erzählte, was wir vorhaben. Ist das ein Märchen, wurde ich immer gefragt, oder wer diese Geschichte so schön erfunden hat. Es hat viel Zeit und Energie gekostet, den Leuten zu erklären, dass das eine wahre Begebenheit ist und keine freie Erfindung. Wir mussten damals auf eigene Faust erst eine raue Kurzversion in der Mongolei drehen, um zu verdeutlichen, was wir vorhaben und dass all das, was ich erzählt habe, auch wahr ist. <BR><BR>Überlegen Sie sich schon, wen Sie am 27. Februar nach Los Angeles mitnehmen und was Sie anziehen?<BR><BR>Davaa: Ich habe noch keine offizielle Einladung, und ehrlich gesagt, beschäftigt mich das im Moment nicht besonders. Es ist noch so weit hin, und wer weiß, was in der Zwischenzeit alles passieren kann. Ich habe gerade genügend mit meinem neuen Projekt zu tun. <BR><BR>Um was handelt es sich dabei?<BR><BR>Davaa: "Die Höhle des gelben Hundes". Das wird mein Abschlussfilm an der HFF. Es geht allerdings nicht wirklich um gelbe Hunde in Höhlen, sondern um die Spiritualität der Nomaden in der Mongolei. <P>Das Gespräch führte Zoran Gojic<BR><BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Die Fantastischen Vier in der Oly-Halle: Fette Fanta-Party
München - Wer das Wort „fantastisch“ im Namen führt und auszieht, sein Best-of unters Volk zu bringen, der hängt die Messlatte hoch. Die Fantastischen Vier erfüllen den …
Die Fantastischen Vier in der Oly-Halle: Fette Fanta-Party
Im Reich von Mode und Magie
Zürich - Spätestens seit dem Terroristen-Epos „Carlos“ ist der französische Filmemacher Olivier Assayas auch deutschen Kinofans ein Begriff. Sein preisgekröntes Drama …
Im Reich von Mode und Magie
Mordmotor mit Unwucht
Andreas Kriegenburg inszenierte William Shakespeares „Macbeth“ fürs Münchner Residenztheater
Mordmotor mit Unwucht
Hansi Kraus im Interview: „Wurde von meiner Familie betrogen“
München - Hansi Kraus ist der ewige Lausbub - auch, weil er diesen in Ludwig Thomas Lausbubengeschichten verkörpert. Im Interview spricht Kraus auch über die …
Hansi Kraus im Interview: „Wurde von meiner Familie betrogen“

Kommentare