Lawinenabgang im Berchtesgadener Land - Großeinsatz

Lawinenabgang im Berchtesgadener Land - Großeinsatz
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Zerstörte Beziehung: Elsie de Brauw und Steven van Watermeulen als Ex-Ehepaar.

Der Tod des Kindes

München - Kammerspiele-Intendant Johan Simons übernimmt seine alte „Gift“-Inszenierung ans Schauspielhaus.

Was kann schmerzlicher sein, als von seinem Partner wortlos, ohne eine Erklärung, verlassen zu werden? An einem 31. Dezember um 7.10 Uhr ist ER mit einem Koffer weggegangen – SIE hat es nicht verwunden. Nach neun Jahren kommt es zu einem Treffen am Grab ihres Kindes, das umgebettet werden muss: wegen „Gift“ im Boden. Diesen Dialog der flämischen Autorin und freien Theaterchefin Lot Vekemans hat Münchens Kammerspiele-Intendant Johan Simons 2009 mit feinem Ohr dicht an der Verständigungsproblematik einer schicksalhaft gefährdet-gescheiterten Ehe inszeniert. Wer das Gastspiel dieser NTGent-Produktion vergangene Saison verpasste: Jetzt ist sie auch im Münchner Repertoire.

Kein Illusionstheater: Wenn sich Elsie de Brauw und Steven van Watermeulen in der tribünenartigen Friedhofshalle (Leo de Nijs) begegnen, lässt uns Simons im erleuchteten Zuschauerraum sitzen – nüchtern herangerückt an die wunde Stimmungslage dieser beiden Menschen, die ihre Entfremdung zu überwinden suchen. Der durchgehende nervöse Platzwechsel zwischen und auf den Tribünensitzen, die ständigen verquer-verlegenen Gesten, die hin- und hergeworfenen Belanglosbemerkungen lassen allerdings die Konstruktion des Stückes eine Spur zu deutlich, zu theaterhaft durchscheinen – was die beiden Schauspieler glücklicherweise zum guten Teil auffangen durch ihre bedeutungsbewusste Sprach-Musikalität (eine extra Leistung bei Flämisch als Muttersprache) und präzises Körperspiel. Und sicher hat dieses lange choreographisch-stimmliche Aufwärmen (rein schauspieltechnisch gesehen) die beiden Darsteller geöffnet, aufgebrochen für eine Tiefe des Gefühls.

Wenn sie, nun bei abgedunkeltem Zuschauerraum, bei ihren Figuren Nähe, Verletzlichkeit zulassen, ist das so echt, dass wir das Scheitern dieser Beziehung – die für viele andere Beziehungen steht – mit-fühlend verstehen. Der Tod des Kindes, das eigentliche „Gift“, hat sie zurückgeworfen auf ihre jeweils egozentrische Lebenshaltung: Ihr Beharren auf Trauer war nicht vereinbar mit seinem Willen, neu anzufangen. Am Ende dieser auf ihre Art kathartischen Wiederbegegnung scheint so etwas wie ein gegenseitiges Verständnis und Verzeihen auf. Wie sich die beiden verabschiedend umarmen, leise ein Lied summen – das ist ganz untheaterhaftes zeitgenössisches Theater, das uns nahegeht.

Nächste Vorstellungen

3. und 14. 11. sowie im Dezember; Karten unter Telefon 089/ 233 966 00.

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