Polizei stoppt verdächtige Person - Kölner Dom evakuiert

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Arbeiten sich an einem Stück über Arbeit ab: die Schauspieler Clara-Marie Pazzini, Oliver Mallison, Lasse Myhr und Marc Benjamin (v.li.).

Oha, hat sich der Regisseur gedacht

München - Uraufführung: Philip Decker inszenierte für den Kammerspiele-Werkraum Olivia Wenzels „Jiggy Porsche taucht ab“. Lesen Sie hier die Premierenkritik!

„Jiggy Porsche taucht ab“ – Jiggy Porsche taucht aber zuvor gar nicht auf. Nachwuchs-Dramatikerin trifft auf Nachwuchs-Regisseur – und der beweist Feigheit vor dem Stück. Die, zugegeben extrem dürftig konstruierte, Symbolfigur unseres Gesellschaftssystems, die im Titel genannt wird, darf gar nicht auf die Bühne des Werkraums der Münchner Kammerspiele. Der Text, für den Olivia Wenzel bei der „Langen Nacht der Neuen Dramatik“ im vergangenen Jahr den Münchner Förderpreis erhalten hatte, wurde am Montagabend also halbherzig uraufgeführt. Freilich aus einem ehrenwerten Grund: Regisseur Philip Decker wollte diesen Versuch über Arbeit und Konsum, Maloche und Zeit-Totschlagen, Anpassung und Freiheitsdrang möglichst theaterschlüpfrig und zuschauerfreundlich.

Das gelingt mit Hilfe der vier engagierten Schauspieler Clara-Marie Pazzini, Marc Benjamin, Oliver Mallison und Lasse Myhr sowie dem flexiblen, gut integrierten Musiker Benedikt Brachtel. Jedoch auf einer furchtbar braven Ebene. An die – ziemlich wackelig formulierte – poetische Ebene des Stücks wagte sich die Inszenierung überhaupt nicht heran. Autorin Wenzel stellt „das kind“ in die Mitte einer Familie aus überarbeiteter Mutter, entfleuchtem Vater, einsamer Oma und dem Bruder, der, aussichtslos, Arbeit sucht. Sie stellt „das kind“ in die Mitte einer Gesellschaft, die sich auf den Kreuzfahrtschiffen namens „Jiggy“ zu Tode amüsiert. Der kleine Außenseiter ist Beobachter und Gegenbild in einem – wobei er bereits von dem Versucher Jiggy Porsche heimgesucht wird.

Dass Wenzel diese Größe nicht gestalten kann, gibt sie selbst zu, indem sie in einer Fußnote (!) die Figur erklärt: „Jiggy Porsche ist zu verstehen als der entfesselte, kapitalistische Geist unserer Gesellschaft und kann sehr gut tanzen.“ Oha, hat sich da wahrscheinlich der Regisseur gedacht, das tu’ ich mir gleich gar nicht an. Aber es ist die Aufgabe von Inszenierungen, die Schwierigkeiten eines Textes anzupacken und nicht simpel zu tilgen – auch wenn das derzeit eine häufig gepflegte Mode am Theater ist.

Die Schauspieler, die außerdem die Szenenanweisungen sprechen, hätten bei mehr Regiemut obendrein mehr Möglichkeiten gehabt, ihr Können zu zeigen. Was gerade der jugendzarten Clara-Marie Pazzini, die „das kind“ spielt, zugutegekommen wäre. Drei dürfen immerhin wirkungsvoll starten, indem je einer in einer Reihe des Zuschauer-Karees um die Bühne aus Möbel- und Palettenteilen sitzt und plötzlich ins Stück hineingezogen wird. Da es im Untertitel „ein stück arbeit“ heißt, müssen die Darsteller zwar viel werkeln und ständig die Trümmer umbauen, Soli dürfen sie freilich kaum bieten. Nur Mallison kann einen (kurz) bewegenden Qual-Monolog der ausgelaugten Mutter einbringen, und Benjamin Skurrilitätsvarianten für den Bruder des „kinds“, Ulrich (schöner Spott auf Neonazi-Sprech von Olivia Wenzel).

Das gescheiterte Schiff ist nicht nur im 100. Gedenkjahr des Titanic-Untergangs aktuell, sondern ein altes Symbol. In „Jiggy Porsche taucht ab“ überzeugt es als Kapitalismus- und Gesellschaftskritik genauso wenig wie die zum Thema passenden Kammerspiele-Produktionen „E la nave va“ (nach Fellini) oder Polleschs „Eure ganz großen Themen sind weg!“ mit dem Totenkopf. Mei, auch der oide Brecht hat sich mit dem Kapitalismus schwergetan...

Simone Dattenberger

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am 22. 4., 29. 5., Telefon: 089/233 966 00.

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