Kampf um Rom

- Mit 19 Jahren schrieb Tanja Kinkel ihren ersten Bestseller "Wahnsinn, der das Herz zerfrisst". Seither hat es die in München lebende promovierte Germanistin (36) mit zehn vor allem historischen Romanen auf eine Gesamtauflage von 3,5 Millionen Exemplaren gebracht. Der neue, süffig geschriebene Band "Venuswurf" spielt zu Zeiten von Kaiser Augustus um das Jahr 7 nach Christus: In der Herrscherfamilie zettelt seine Enkelin Julilla eine Intrige an, um ihrem verbannten Bruder die Nachfolge in Rom zu sichern. Gesehen wird das blutige Geschehen von ganz unten: mit den Augen der Zwergin Andromeda, die Julilla dient.

Lektüre unter anderem von Plinius, Cicero und Ovid, dessen "Metamorphosen" und "Liebeskunst" der Roman zitiert, habe sie zu ihrem Werk angeregt, so Kinkel. Wahre Begebenheiten, Personen und Lebensweisen mischt sie in ihrem Buch mit fiktiven Elementen. Die Ewige Stadt habe sie seit einem Stipendienaufenthalt 1995 fasziniert. Über deren sagenumwobene Gründung legte sie schon 2000 einen Roman vor, "Die Söhne der Wölfin". Auch für "Venuswurf" recherchierte sie wie stets sehr sorgfältig.

So können die vielen Kinkel-Fans erneut in eine detailreich und ebenso farbig wie drastisch geschilderte Alltagswelt eintauchen: Von römischen Bädern und Bordellen über Straßen und Märkte bis in die Villen und Paläste reicht das Sittenbild mit Sklaven, Freigelassenen und Patriziern. Der Buchtitel spielt auf das damals in allen Schichten beliebte Würfelspiel an. Besonders ausgiebig lässt die Autorin ihre Leser an den üppigen Speisenfolgen dekadenter Römer teilhaben. Wichtig sind der Schriftstellerin das Wechselspiel von Macht und Ohnmacht sowie starke Frauen.

Tanja Kinkel: "Venuswurf". Knaur Verlag, München, 494 Seiten; 19,90 Euro. Der Roman erscheint morgen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Idomeneo“ in Nürnberg: Dunkles Märchen für Erwachsene
Selbst der grausigste Tragödienbrocken bekommt bei Regisseur David Bösch etwas Verspieltes. Sein Nürnberger „Idomeneo“ überwältigt vielleicht nicht, wirkt aber trotzdem …
„Idomeneo“ in Nürnberg: Dunkles Märchen für Erwachsene
Belle and Sebastian: Die Glücklichmacher aus Glasgow
Belle and Sebastian verzaubern München: Beim ausverkauften Konzert der Glücklichmacher aus Glasgow in der Muffathalle galt einmal mehr: „Love is in the Air“.
Belle and Sebastian: Die Glücklichmacher aus Glasgow
Schwere Vorwürfe gegen die Tiroler Festspiele
Den Tiroler Festspielen wird Ausbeutung, Lohndumping und Machtmissbrauch vorgeworfen. Mittlerweile hat Gustav Kuhns Festival Klage erhoben.
Schwere Vorwürfe gegen die Tiroler Festspiele
Martin Grubinger: Mit Musik gegen den braunen Sumpf
Martin Grubinger gastiert beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit einem Schlagzeugkonzert des Finnen Kalevi Aho. Musikalisches und Politisches fließen da …
Martin Grubinger: Mit Musik gegen den braunen Sumpf

Kommentare