Kampf für Boulevard

- Wenn an Margit Boenischs Komödie im Bayerischen Hof heute "Die Drei von der Tankstelle" Premiere haben, ist das so etwas wie ein Einläuten der neuen Münchner Theatersaison. Ein Dutzend Spielzeiten hat die Theaterchefin hinter sich, jetzt beginnt Nummer 13. Von Aberglaube keine Spur. Vielmehr Anlass zu einer Standortbestimmung.

<P>Wie wollte sie ihr Theater inmitten der Münchner Bühnenlandschaft einst definieren? Boenisch: "Mein Ehrgeiz war: zwischen Residenztheater und Kammerspielen - da wollte ich hin. Vergleichbar etwa dem Renaissance-Theater in Berlin. Mein Klassenziel habe ich nicht erreicht. Ich wollte eigentlich ein bisschen höher hinauf. Doch wurde ich vom Publikum sehr schnell in meine Schranken verwiesen. Ich muss mich mit Boulevard bescheiden; versuche nur, ihn ein bisschen besser zu machen als die anderen." Was ihr auch oft genug gelingt; denn Boenisch versteht es, gute Leute an ihr Haus zu holen. "Ich glaube", sagt sie, "ich habe mir einen Status geschaffen, dass die Künstler wissen, ich versuch' immer etwas Besonderes."</P><P>Münchens Boulevardtheater haben es nicht leicht, denn sie erhalten keinerlei Zuschüsse. Von OB Ude hat es Boenisch schriftlich: Keine Subvention, die Komödien müssten sich selbst finanzieren. Aber was ist, wenn eine städtische Bühne wie die Kammerspiele im Boulevard-Metier wildert, wenn sie zum Beispiel Ayckbournes Stücke spielt? Boenisch: "Da muss man sich auf die Hinterbeine stellen, dagegen muss man kämpfen." Als nicht ungefährlich für ihr Haus schätzt Margit Boenisch die derzeitige Situation ein: "Die Zeiten sind so, dass das Publikum heute lieber in ein Theater geht, wo es positiv unterhalten wird. </P><P>Die Kammerspiele werden verstärkt in diese Richtung gehen müssen. Dabei müsste Boulevard für ein subventioniertes Haus tabu sein." Wie sieht sie die neue Richtung der unmittelbaren Konkurrenz, der Komödie am Max II, die in einer Woche mit Ludwig Thomas "Witwen" herauskommt? Gelassen. Auf ihr Angebot, ein gemeinsames Abonnement aufzulegen, habe sie eine kühle Abfuhr erhalten. "Dabei hätten beide Häuser Abonnenten dazu gewonnen", ist Margit Boenisch überzeugt.<BR></P>

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