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Kampf um einen Luxusmarkt

- Halbedelsteine, Silber und Saphire verwendete die Firma Fabergé für - eine Bäuerin. Treuherzig steht sie da mit Käselaibern unterm Arm und in den Händen Butterfässchen und Becher. Auch der einfache Soldat, perfekt dargestellt, wie er sich gerade die Zigarette anzündet, schaut nicht gerade nach Reichtum aus, obwohl auch er mit Gold, Silber und teuren Steinen protzen kann.

<P>Armut als Vorlage für putzige Genre-Figuren, die sich das russische Herrscherhaus in Vitrinen stellte wie die aus Stein geschnittenen Tiere oder die bezaubernden Pflanzenstudien, die alle im Hauptsaal der Münchner Hypo-Kunsthalle versammelt sind. In der Mitte die Hüllen, nämlich die Kleider der Zarenfamilie; abgesondert davon das blutige Hemd des Zarewitschs Nikolaus, auf den in Japan 1890 ein Attentat verübt worden war. Der Untertan als netter Kunstkammer-Schnickschnack, der so wertvoll war, dass er ihn sich niemals hätte leisten können. Wer könnte bei diesem Anblick nicht verstehen, dass dieser Untertan, dem mit einer solchen Überheblichkeit begegnet wurde, irgendwann nicht mehr nett sein wollte? Die Revolution fegte den Zar und den russischen Adel hinweg - und natürlich auch die Juweliere, die so gut von ihnen lebten.</P><P>Zwei Stars widmet Kurator Géza von Habsburg die Schau "Fabergé / Cartier - Rivalen am Zarenhof", die 1000 Objekte umfasst inklusive vieler russischer Leihgaben und solcher aus europäischen Adelshäusern. Ausufernde Schmuck-Kollektionen gibt es allerdings nicht, denn das meiste fiel der Revolution zum Opfer. Zu sehen sind also neben einigen Diademen, Kolliers und Broschen vor allem luxuriöse Spielereien wie eine Hasen-Familie aus Silber oder ein Siegel, dem oben auf dem Griff ein Ührchen eingesetzt worden war. </P><P>Diese "simplen" Dinge kamen durchaus nicht allein mit dem Zauber schönster Emaillierung aus - ein bissl Gold und Diamanten mussten schon auch noch sein. Es finden sich Schreibtisch-Sets, Dosen, ob für Puder oder Zigaretten, Uhren, Vasen, Flakons, Fächergriffe oder Rahmen für kleine Bildnisse. In der Tat ist all das: Rahmen. Für ein Leben bei Hofe. Herausgehoben, auf Repräsentation ausgerichtet. Das scheint so selbstverständlich gewesen zu sein, dass der Zar noch als Gefangener versuchte, Frau und Mutter mit sündteuren Fabergé´-Ostereiern zu beschenken. Sie sind jetzt erstmals zu sehen.</P><P>Von Habsburg grenzt die Darstellung auf den Zeitraum von 1900 bis 1917 ein. Carl Fabergés Firma war auf dem Höhepunkt, die Arbeiten seiner Hauptwerkmeister unbestritten. Man agierte international: Paris, London, St. Petersburg, die Kolonien. Aber auch Alfred Cartier verfolgte zielstrebig seine Geschäftspolitik. Man orientierte sich an Fabergé, kaufte Produkte von ihm auf, ahmte nach, drang schließlich in den russischen Markt ein. Manches, was heute unter Fabergé läuft, ist eigentlich Cartier. Die Ausstellung zeigt diese Strategie (ab 1904). Man hielt sich an gepflegten Neoklassizismus, dann ein wenig Jugendstil. Da aber Cartiers Sohn Louis eine Schwäche für moderne, aber auch außereuropäische Kunst hatte, wandelte sich das gemäßigte Bild. Entwerfer Charles Jacqueau verschaffte der Firma Cartier eine neue Ausrichtung, nahm Art Deco vorweg. Der Abstieg Fabergés begann.</P><P>Bis 12. 4. 04, Katalog, Hirmer Verlag: 39 Euro; Tel. 089/ 22 44 12.<BR><BR></P>

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