Kampf mit Klang und Kater

- Am Morgen vor dem München-Konzert seiner Band hat Jon Bon Jovi ein Gespräch geführt, "a little conversation" mit einem Fan. Der Rockstar berichtet: "Er fragte, wie es kommt, dass wir nie auf irgendwelchen Kritiker-Hitlisten stehen, keine besonders hippe Band sind und trotzdem die größten Stadien füllen und mehrere Generationen berühren."

Es geht, sagt Bon Jovi, ums Gefühl. "So lange Ihr fühlt, was ich fühle und ich fühle, was Ihr fühlt, lebt das Gefühl für immer." Die 75 000 im Münchner Olympiastadion fühlen es spätestens jetzt auch und jubeln ihrem Idol zu.

Mit Gefühlen kennt der hart rockende Herzensbrecher sich aus. Bon Jovi-Songs folgen seit den 80er-Jahren einem ehernen Muster: Hier herrscht eine ritterliche Rock-Romantik samt Cowboys auf Stahlrössern, jungen Männern mit Gitarre und hart arbeitenden, hart feiernden Kerlen, die ihre Herzdamen auf Rosen betten.

Was sich nicht mitsingen lässt, funktioniert selten

Dabei richten sich Songs wie "I'll be there for you" oder "I'd die for you" nicht nur an die Angebetete, die Refrains sind immer unverbindlich genug, damit sich das Publikum mit ihnen identifizieren kann. Sie denken immer auch das Stadion mit, in denen sie aufgeführt werden sollen. Was sich nicht aus dem Stegreif mitsingen lässt, funktioniert selten.

So ist es auch heute. Die neue Single "Who says you can't go home" verpufft, die knackigen Statements "It's my life" und "Have a nice day" dagegen kommen erwartungsgemäß ausgezeichnet an. Wie selbstverständlich auch der erste Ritter in knapper Lederkluft, der mit seinen 44 Jahren immer noch ein durchaus knackiges Statement ist, wenn er auf dem Laufsteg in die Menge tänzelt. Die Bühne ist dagegen eher schlicht, eine Video-Leinwand vor einer angedeuteten 80er-Jahre-Skyline - durchaus passend zur Musik.

Am Klang aber hapert es arg. Die an Springsteen und Aerosmith geschulten Hymnen wummern dumpf. Der muffig abgemischte Sound zieht Richie Samboras Gitarre sämtliche Zähne, der Gesang bleibt merkwürdig im Hintergrund. Bei Selbstläufern der Marke "Livin' on a prayer" und "Bad medicine" macht das freilich nichts aus, zumal Bon Jovi wie ein Springteuferl herumhüpft, um Stimmung zu machen. Auch dass Sambora zweimal das Mikro übernimmt, gefällt den Fans. Bei einigen neueren Titeln freilich bleibt die Publikumsreaktion allenfalls höflich. Und weil größere Ansagen ebenso ausfallen, flacht die Begeisterung bisweilen ab. "Ich hatte zwei Wahnsinns-Nächte hier", beteuert der Sänger.

Aha, ein Kater. Man hört, er habe mit Carlos Santana gezecht. Weil das echte Ritter-Romantik ist und weil Bon Jovi dennoch stolze drei Stunden durchhält, verzeihen ihm die Fans natürlich gerne.

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