Kampf um Kronen

- Immer Ärger mit den Franken. Nicht nur dass die Fürther Landrätin Gabriele Pauli (CSU) gegen den Großen Vorsitzenden, als da ist Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber, stänkert, auch die Bamberger zetern. Und mit ihnen alle Franken, die sich schon immer von den imperialistischen Altbayern geknechtet und ausgebeutet vorkommen. Ein Grund-Groll grummelt ja ständig, obwohl die Franken fleißig gehätschelt werden ­ Bayern-Proporz eben.

Aber alle Liebesbezeugungen Richtung Norden nützen zurzeit nichts. Der Ärger-Vulkan ist wieder mal ausgebrochen: Aus dem Pauli-Krater spuckt‘s politisch ­ aus dem Bamberger kulturell. Der tiefere Grund ist eigentlich ein wunderbarer. 2007 gilt es, das 1000-jährige Bestehen des Bistums Bamberg zu feiern. Und da will man halt unbedingt auch den einstigen Domschatz herzeigen, insbesondere die Kronen von Kaiser Heinrich II. und Kunigunde, seiner Frau. Das ist verständlich; so dachte auch der Ministerpräsident. Er wollte wieder einmal gut Wetter machen bei den Franken ­- Pauli hin oder her -­ und sagte unvorsichtiger- und unklugerweise zu.

Sicher, was möglich ist, wird nach Bamberg ausgeliehen. Von den fünf Objekten in der Residenz: die Frauen-Krone und die byzantinische Edelsteinplatte aus Chalzedon. Die Kaiser-Kronen sowie das Kreuzreliquiar (Staurothek) Heinrichs sind nicht transportabel, stellten Gutachten von Fachleute im Auftrag des Finanzministeriums (Schlösser) schon Anfang November fest; und deswegen auch gar nicht versicherbar. Die Stoiber-Äußerung jedoch stürzt die Bayerische Schlösserverwaltung, die die Münchner Residenz und damit auch die Schatzkammer betreut, in schlimme "diplomatische" Verwicklungen. Auf harmlose Nachfragen nach den restauratorischen Problemen mit den unendlich fein gearbeiteten und damit extrem empfindlichen Preziosen fallen die Schloss-Beamten gewissermaßen in Schockstarre. Auskunft wird verweigert. Man fürchtet, zwischen altbayerischen und fränkischen Interessen, zwischen Finanzministerium, Staatskanzlei und Kirche zerrieben zu werden.

Wirklich entscheiden darf Stoiber beziehungsweise der Staat ohnehin nichts. Der Schatz, in der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts an die Wittelsbacher gefallen, gehört zu deren Sammlungen. Sie unterstehen der Wittelsbacher Landesstiftung. Im Vorstand Herzog Franz von Bayern, Reinhold Baumstark, Chef der Staatsgemäldesammlungen, und Peter Wanscher vom Kunst-Ministerium. Von allen dreien, aber vor allem vom kunstsinnigen Herzog und vom Museumsmann Baumstark, die Werke um ihrer selbst lieben und nicht als Prestigeobjekte, ist zu hoffen, dass sie vernünftig entscheiden: für den Schutz der gefährdeten Goldschmiedearbeiten. Das müsste doch im Interesse der Bamberger sein. Ansonsten träfe sie die Schuld an einem schrecklichen Schaden; sie müssten überdies horrende Versicherungs- und Transportkosten tragen sowie den sicherheitstechnischen Umbau ihrer Ausstellungsräume zahlen.

Die Herzogliche Verwaltung will sich nicht an der Diskussion beteiligen. Zu unsachlich und nicht auf fachlicher Ebene sei sie in der Öffentlichkeit geführt worden, erklärt Sprecher Baron Marcus von Bechtolsheim. Der Vorstand entscheide, nachdem sich verschiedene Stellen ausgetauscht hätten, nach Stiftungsrecht. Das fordert: Mit dem Stiftungsgut muss verantwortungsvoll umgegangen werden.

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