Kampf um Literatur-Karriere

- Von Verliebtheit ist nicht die Rede. Jahre vor ihrer Hochzeit halten Bettine und Achim von Arnim Briefkontakt, klagen, wie unverstanden sie sich von der Welt fühlen, machen Pläne, erzählen einander von ihrer Sicht der Dinge, die sich in den Ohren des anderen so seltsam vertraut anhört. Eine Seelenverwandtschaft, ja, von Anfang an, aber keine Liebe. Achim (1781-1831), attraktiv, Aristokrat, nachlässig gekleidet, ist der beste Freund von Bettines Bruders Clemens Brentano, der für ihn schwärmt, ihn "göttlicher Achim" nennt. "Der Arnim sieht doch königlich aus", begeistert sich auch Bettine.

Ihr Herz aber schlägt für den 36 Jahre älteren Goethe, mit dem sie sich zwar in Briefen und Gesprächen regelmäßig austauscht, ihn geradezu anhimmelt, der aber unerreichbares Idol bleibt. Achim ist nur zweite Wahl, und auch er sehnt sich nach einer anderen, einem jungen Mädchen, das seine Liebe nicht erwidert. Überraschend erreicht Bettine (1785-1859) im Frühjahr 1810 ein Brief von Achim, in der er ihr ein gemeinsames bürgerliches Leben vorschlägt, "ungeachtet wir einander vom Heiraten nie erzählt". Bettine zögert, schreibt: "Was weiß ich von Liebe?", und: "Du weißt doch, dass ich das Heiraten in eine Reihe mit Krankheit stelle." Die Entscheidung will sie nicht fällen: "Wir wollen Gott vertrauen und abwarten, was er fügt."

Am 4. Dezember 1810 verloben sich die beiden, heiraten heimlich am 10. März 1811. Achim muss Bettine allerdings versprechen, "nie eifersüchtig auf Goethe zu sein". Das Paar lebt zunächst weiter in getrennten Wohnungen und auch später, zwischen 1812 und 1818, als die ersten fünf ihrer sieben Kinder geboren werden, schafft man sich kein gemeinsames Zuhause. Achim bleibt auf dem Land, in Wiepersdorf. Seine Großmutter hatte verfügt, dass nach ihrem Tod er und seine Brüder die Güter der Familie bewirtschaften sollen. Bettine, die die ländliche Abgeschiedenheit verabscheut, behält mit den Kindern eine Berliner Stadtwohnung. Sie schreibt: "Es kommt zu immer längeren Phasen der Trennung, die in eine Ehe auf Abstand münden."

Immer wieder plagen das Paar Geldsorgen. Bettine: "Die Butter war so gut, dass sie in der Zeit von zwei Tagen alle fort war. Wir haben gar nichts mehr." Manchmal, insbesondere wenn sie über Feiertage alleine war, schreibt sie auch bittere Worte: "Ich mache keine Ansprüche an deine Zärtlichkeit, denn ich war nicht das Ideal, dem du dich aus Leidenschaft ergeben hast. Aber mich wundert, dass dir dein kleinstes Kind nicht lieb genug ist, um Wort zu halten." Achim, der mit Clemens Brentano in den Jahren 1806 bis 1808 die vierbändige Volksliedersammlung "Des Knaben Wunderhorn" und eigene Werke wie "Der Kronenwächter" veröffentlichte, schreibt in der Einöde immer seltener. "Ich lebe in der Wildnis ohne alle literarische Berührung unter Diebesgesindel."

Bettine ermuntert ihn, ja befiehlt ihm geradezu, sein Talent nicht zu vernachlässigen. Sie übernimmt die alleinige Verantwortung für die Kinder, um ihrem Mann den Freiraum für sein literarisches Tun zu verschaffen. Achim aber zieht sich noch mehr zurück, klagt über das geringe Echo seiner Veröffentlichungen: "Meine Werke haben das mit dem Himmelreich gemeinsam, in das nur wenige hineinmögen." In einem Brief an die Brüder Grimm, die seine Schriften ebenfalls scharf kritisieren, heißt es: "Dass meine Bemühungen von der Welt vergessen werden, daran bin ich gewohnt." Achim von Arnim stirbt 1831, ausgebrannt und leer, an einem Schlaganfall. In den letzten Jahren vor seinem Tod überträgt sich seine Verbitterung auch auf die Ehe. In vielen anklagenden Briefen wirft Achim seiner Frau falsches Haushalten und falsche Erziehung der Kinder vor. Bettina resümiert schließlich enttäuscht: "Ich habe die zwölf Jahre meines Ehestandes leiblich und geistigerweise auf der Marterbank zugebracht."

Bettine findet in den Schubladen ihres verstorbenen Mannes schriftstellerische Arbeiten, von denen sie keine Ahnung hatte und schafft es, sie erfolgreich zu veröffentlichen. Jetzt beginnt auch ihr literarisches Aufblühen. "Goethes Briefwechsel mit einem Kinde" bringt ihr 1853 die erste öffentliche Anerkennung, von der sie im Schatten ihres Mannes nicht einmal zu träumen wagte. Der erste Schritt zu einer erfolgreichen Karriere war gemacht.

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