90 Minuten durchgestylte Choreographie zwischen Salsa, Hiphop, Tango und klassischem Ballett. foto: veranstalter

Kampfsport trifft Pirouette

München - Rausch und pure Energie: Kampfsport und Tanz treffen beim exotischen Gastspiel von „Ballet Revolución“ aus Kuba im Münchner Circus Krone aufeinander.

Nur um’s erwähnt zu haben: Jorge war auch da. Auf plateauartigen Pumps, mit schwarzer Glätteisenmähne, aber ganz ohne Gefährtin Heidi Klum. Und wohl umso mehr mit der Gewissheit, mal etwas Sinnvolles getan zu haben. Warum? Jorge ist auch Kostümdesigner. Als solcher hat er den 18 Tänzern von Ballet Revolución ihre knappen Neopren-Kostümchen auf den Leib geschneidert.

Knapp – nicht ganz unwichtig. Denn was die kubanische Tanz-Combo im Circus Krone veranstaltete, forderte nicht den Geist, sondern die Sinne. Die Show: 90 Minuten gnadenlos durchgestylte Choreographie, vom klassischen Ballett über Salsa, Tango und Mambo bis hin zu Hiphop und afrikanischen Elementen. Die jungen Kubaner bringen auf die Bühne, was tanzbar ist. Die Mischung ist ihr Rezept – und der Rausch. Zu sehen (und zu spüren) nicht nur dann, wenn sie als Gruppe die Tanzfläche zum Kultort für geplantes Durcheinander machen nach dem Motto „Kampfsport trifft Pirouette“. Aber auch, wenn sich zwei von ihnen für den Moment treffen. Unter einem Spot, mit nur einem Stuhl als Requisit. Und wenn sie in der dahingehauchten Intimität von Stings „Roxanne“ zu einem Körper verschmelzen. Erträgt kein Mensch, so viel Sinnlichkeit.

Choreograph Roclan Gonzales Chavez, der zu Kubas besten gehört, wird das geahnt haben und sorgt vor. So wirkt das Percussion-Solo der Live-Band wie eine Dosis Sauerstoff im schwülfeuchten Circus. Und die Nerd-Nummer, die die männlichen Ensemblemitglieder mit Riesenbrille, Schlabbershirt und Hiphop-Moves abziehen, wie eine Entkrampfung für das von Hingabe überforderte Europäer-Herz. Dann, kurz bevor die Dame in Reihe sieben per Beckenboden die Bänke aus ihrer Verankerung reißt, wieder eine ruhige Nummer von Joaquin Rodrigo.

Es ist auch der ständige Stimmungswechsel, der dieses Programm trägt. Im engeren Sinne revolutionär ist das Ganze sicher nicht. Muss es auch nicht sein. Fürs Theoretisieren ist hier ohnehin kein Platz. Ballet Revolución ist eine Messe der Körperlichkeit, pure Energie, das Wesen des Tanzes im Spiel der Emotionen. Dass Jorge sein Näschen am Ende auch noch vor einige Smartphone-Kameras schieben konnte, passte ins Bild. An diesem Abend war jeder Kubaner ein Star.

Marcus Mäckler

Weitere Vorstellungen:

heute, 20 Uhr; Samstag und Sonntag, jeweils 16 und 20 Uhr; dann wieder ab 13. November; Telefon 0180/ 54 81 81 81.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Er ist Kapitän der Rockband Eisbrecher, deren neues Album „Sturmfahrt“ jetzt erscheint. Wir sprachen mit Alexander Wesselsky über die neue Platte, billiges Fleisch und …
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Kas mit Karoline
Das New Yorker Regieduo 600 Highwaymen versuchte sich im Auftrag der Salzburger Festspiele an Ödön von Horváths „Kasimir und Karoline“. Lesen Sie hier unsere …
Kas mit Karoline
Am 11. September 2017 startet der Münchner Krimi-Herbst!
Beim Münchner Krimi-Herbst des Internationalen Krimifestivals München lesen hochkarätige Krimi- und Thriller-Autoren aus aller Welt aus ihren Büchern.
Am 11. September 2017 startet der Münchner Krimi-Herbst!
Große Ehre für Mutter Zivilcourage der Bairischen Sprache
„Gscheid gfreid“ hat sich Martina Schwarzmann am Sonntag. Die Kabarettistin erhielt die „Bairische Sprachwurzel“. Damit wurde ihr Einsatz zur Rettung der Dialektvielfalt …
Große Ehre für Mutter Zivilcourage der Bairischen Sprache

Kommentare