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Imponiergehabe, dem man gern zuschaut – bei der verspielten Show „Saloon“, die auf dem Tollwood Europapremiere feierte.

Start des Winter-Tollwoods 2016

Komm, wir spielen Cowboy und Indianer

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Der kanadische Cirque Éloize eröffnete mit seiner beeindruckenden Akrobatik-Show „Saloon“ das Winter-Tollwood

Der Funke springt in der ersten Sekunde über. Einmal mit dem Streichholz an der Cowboyschuhsohle entlanggeratscht, – zack! – leuchtet das Lagerfeuer am Bühnenrand auf. Und auch die Zuschauer sind entflammt, vor Entzücken freilich. Willkommen im wilden Westen!

Was für eine Show. Was für ein Beginn des Winter-Tollwoods. Wer im vergangenen Jahr schon dabei war, hat sich das eigentlich denken können. Da begeisterte der kanadische Cirque Éloize mit einem Ausflug in die Welt des Stummfilms; und weil das bei Kritikern und Publikum so gut ankam, eröffnen sie auch heuer wieder das Winterfestival auf der Theresienwiese. Nein, nicht in Paris, Berlin oder London: Für die Europapremiere wollten sie unbedingt nach München kommen. Ins Grand Chapiteau, ganz am Ende des alternativen Wintermarkts mit Bio-Touch – das passende Zelt für ihre zauberhafte Mischung aus Akrobatik, Tanz und Zaubertricks.

Zu Beginn wird Flagge gezeigt – menschliche Flagge. Mit einer furiosen Human-Flag-Nummer startet die grandiose Show. Und während der Akrobat mit unfassbarer Körperbeherrschung in der Waagerechten hängt und lässig seine Hemdsärmel hochkrempelt, formieren sich unten im Saloon all die anderen coolen Cowboys und die in verführerisches Rot gehüllte Lady. Herrlich, diese testosterongeladene Stimmung, denn hier geht’s am Ende nur um Eines: die kessen Frauenzimmer mit immer riskanteren Manövern zu beeindrucken.

Zu antreibender Livemusik mit Liedern von Johnny Cash bis Patsy Cline jonglieren sie, überschlagen sich und holen das Lasso raus. Komm, wir spielen Cowboy und Indianer – auf akrobatisch höchstem Niveau. Doch mehr noch: Die irren Tricks werden ja nicht einfach vorgeführt. Emmanuel Guillaume hat eine Choreografie voll Fantasie geschaffen, die mit ihrem augenzwinkernden Humor an die filmische Odyssee der Coen-Brüder „O Brother, where art thou?“ erinnert. Spielerisch vermengt er Slapstick mit Tanz, Kunstturnen mit Pantomime. Im richtigen Moment dazu die passenden Sound-Effekte gesetzt – und die Zuschauer sind dahin. Sie lachen, sie klatschen, sie halten vor Entsetzen die Luft an. Und feiern die sympathische Truppe am Ende mit standing Ovations. Der Abend schließt – natürlich – mit einem Duell. Mann gegen Mann, auf einer Wippe. Wer kann am höchsten? Wem gelingen die meisten Salti? Selten hat Imponiergehabe so viel Spaß gemacht.

bis 22. Dezember

Di. bis So. Karten unter

089 / 54 81 81 81.

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