Kanon zum Abschied

- Eine Ära geht zu Ende: 15 Jahre leitete Michael Gläser den Chor des Bayerischen Rundfunks. Eine Zeit, in der er das Ensemble zu einem homogenen und in den unterschiedlichsten Stilrichtungen versierten Klangkörper geformt hat. Am Samstag galt es nun, im Prinzregententheater Auf Wiedersehen zu sagen. Nicht Lebewohl, denn auch in Zukunft wird Gläser dem Chor weiterhin als Gastdirigent eng verbunden bleiben.

Für das letzte Konzert seiner Amtszeit hatte er unter dem Titel "Orpheus' Erben" ein Programm mit Werken der romantischen Chorliteratur ausgewählt: Kompositionen von Brahms, Schumann und Schubert, die sowohl von seinem Ensemble als auch von den vier Solisten in Schumanns "Spanischem Liederspiel" ebenso wortdeutlich wie differenziert gestaltet wurden. Daneben wurde die Uraufführung von Werner Hans Hagens "Orpheus-Variationen" gesetzt. Entstanden nach Texten von Rainer Maria Rilke, Wystan Hugh Auden, Hilde Domin und Ingeborg Bachmann, bot das Werk dem Chor noch einmal die Möglichkeit, verschiedenste Fassetten seines Könnens zu demonstrieren.<BR><BR>So drang durch die dunklen Schläge des Klaviers zunächst ein leises, sich immer weiter steigerndes Summen, das später einem klar abgestuften Kanon, großen melodischen Bögen und einem beinahe schon tonlosen Flüstern und Zischen wich. Zum Ende schließlich bot der Chor dem sichtlich gerührten Gläser noch einen ganz speziellen Gruß und ließ ihn unter dem lautstarken Jubel des Publikums mit einem vielstimmigen Kanon seines Lieblingskomponisten Max Reger hochleben.<BR>

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