Stechen in See: Helmut Schleich, Sebastian Knötzinger und Manfred Kempinger (v.l.) Ag.

Kapitän Pleitis Europanidis am Ruder

München - Helmut Schleich geht auf große Kreuzfahrt. Der Kabarettist tritt mit seinem neuen Programm „Gamsbart Ahoi 2“ auf einem Chiemsee-Schiff auf.

Mit dem Programm „Gamsbart Ahoi 2“ tritt der Kabarettist Helmut Schleich (44) in den kommenden Wochen einmal mehr auf einem Chiemsee-Schiff auf. Die Regie hat Martina Schnell; die Musik kommt von Otto Göttler und Konstanze Kraus. Die Premiere an diesem Sonntag ist ausverkauft. Im Interview spannt Schleich den Bogen von Moses über Ottfried Fischer bis zur „Titanic“.

Herr Schleich, Sie beschäftigen sich in Ihren Programmen mit König Ludwig, Franz Josef Strauß – und jetzt zum zweiten Mal mit dem „bayerischen Meer“, dem Chiemsee. Suchen Sie sich bewusst die ganz großen weißblauen Themen aus?

So habe ich das noch gar nicht betrachtet. Stimmt, der Chiemsee ist auch so ein bayerischer Mythos, der kabarettistisch viel hergibt. Heuer haben wir uns über das virulente Thema Kreuzfahrt hergemacht. Es geht um alles, was da reinspielt: Billigflagge, unzuverlässige Reedereien, vertuschtes Chaos, schwierige Passagiere, unfähiges Personal. Das gibt viel her, wenn man es von der Ebene der Weltmeere runterbricht auf das bayerische Meer.

Sie treten wieder auf einem Chiemsee-Schiff auf. Können Sie denn Ihre Zuschauer nach der Katastrophe der „Costa Concordia“ ruhigen Gewissens auf eine Kreuzfahrt locken?

Auf die „MS Edeltraud“ kann man sich schon verlassen. Aber es ist natürlich immer die Frage: Kann ich aus einem Unglücksfall humoristischen Honig saugen? Das machen wir sicher nicht, das wäre ja geschmacklos. Aber man kann das System Kreuzfahrt aufs Korn nehmen – wo jahrzehntelang einer den anderen aufgekauft hat. Diese „Costa-Lines“ sind ja auch nur noch eine Marke eines amerikanischen Großreeders. Wie es dazu kommt, dass sich Pfusch und Misswirtschaft immer mehr einschleichen, das kann man persiflieren, ohne dass man damit Opfer beleidigt.

Wie wird Ihre Kreuzfahrt aussehen?

Bisher war es so: Wir fuhren auf Schiffen der Firma Fessler, also haben mein Kollege Sebastian Knötzinger und ich behauptet, wir seien die Fessler-Zwillinge. Jetzt kommt ein dritter Zwilling hinzu, Manfred Kempinger, der bislang als Gastkabarettist dabei war. Für den haben wir uns eine sehr eigenwillige Geschichte ausgedacht: Er heißt Moses Fessler. Für den bibelfesten Zuschauer lässt das schon tief blicken.

Ist er etwa in einem Weidenkorb ausgesetzt worden?

Richtig, vor der Fraueninsel. Dann ist er Richtung Prien getrieben, wurde aufgefischt und ist nun der Motor vom Schiff – und noch viele andere Figuren. Und so viel kann ich schon verraten (verfällt in griechischen Akzent): Kapitän ist griechische Kapitän Pleitis Europanidis. Hatte das Schiff schon unter Kontrolle, aber nicht immer ganz. Aber wir verstehen viel von Seefahrt, seit Odysseus.

Fließen auch Elemente Ihres laufenden Kabarett-Programms mit ein?

Leider sehr wenig. Das würde die Arbeit erheblich vereinfachen. Das Allermeiste ist neu. Natürlich gibt’s das ein oder andere Versatzstück. Das ist auch legitim, weil die Leute mich momentan zum Beispiel ohne einen Auftritt als Franz Josef Strauß fast nicht von der Bühne lassen.

Was ist das Besondere am Schiff, im Vergleich zu einer Theaterbühne?

Das Schiff ist etwas völlig anderes. Im Grunde sind das auf dem Chiemsee schwimmende Busse. Da hast du keine Theateratmosphäre. Die Postkartenmotive Kampenwand, Fraueninsel und so weiter beeindrucken die Zuschauer, lenken aber auch ab. Eigentlich hatten wir die schönsten Fahrten, wenn schlechtes Wetter war – weil dann die Leute ganz bei uns waren.

Auf Herrenchiemsee haben Sie zuletzt ein schönes Programm über Ludwig II. gemacht. Ist der König auch mit an Bord?

Natürlich. Es ranken sich bis heute viele Mythen um den Tod von Ludwig II., wie man weiß. An der Stelle knüpfen wir an. Es gibt doch diesen schwergewichtigen oberbayerischen Kommissar – Sie wissen, von wem ich spreche . . .

Der Bulle von Tölz, dessen Darsteller Ottfried Fischer Sie imitieren . . .

Der wird Ermittlungen aufnehmen zum Tod König Ludwigs. Ich will nicht zu viel verraten – aber möglicherweise wird er den König selbst in den Zeugenstand rufen. Möglicherweise wird der Kommissar den Fall sogar lösen. (Lacht.)

Apropos Kreuzfahrt: Verstehen Sie die Aufregung um das Satireblatt „Titanic“, das den Papst mit besudelter Soutane zeigte und deswegen verklagt wurde?

Abgesehen davon, dass ich persönlich mit dem Humor der „Titanic“ nie ein Problem hatte, ist es Wahnsinn, dass sich ein Papst dazu herablässt, eine kleine deutsche Satirezeitschrift zu verklagen. Der hat momentan anscheinend die völlig falschen Berater um sich. Das macht er ja nicht selbst, das rät man ihm, oder es macht ein Amt im Vatikan. Meiner Meinung nach beschädigt das Benedikt mehr als der „Titanic“-Scherz. Deren Chefredakteur hat die Gaudi natürlich gleich weitergedreht und gesagt, notfalls geht er vors Jüngste Gericht.

Wird Benedikt XVI. auch auf Ihrem Schiff eine Rolle spielen? Sie sind doch ein ausgezeichneter Papst-Imitator.

(Lacht.) Nein, diesmal ist er nicht vorgesehen. Wir hätten vermutlich auch nicht das Glück, dass der Vatikan uns verklagt. Dann wären wir wohl auf Jahre ausgebucht.

Das Gespräch führte Johannes Löhr.

Tickets und Termine

im Internet auf der Seite www.gamsbart-ahoi.de oder unter Tel. 0 80 51/96 56 60.

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