Karateschlag und Peitschenhieb

- Sie wusste, wann der Zeitpunkt zur Veränderung gekommen war. Louise Lecavalier, die in den 80er-Jahren als blonde Amazone in den waghalsigsten Flug- und Sturzfiguren durch die Stücke von Edouard Lock wirbelte, hat sich nach zwei Jahrzehnten in seiner Lalala Human Steps, Montreal, mit eigener Compagnie selbstständig gemacht.

Bei Dance 2004 musste ihr Gastspiel wegen Krankheit abgesagt werden. Jetzt präsentierte sich im Münchner Carl-Orff-Saal dem Dance-Publikum eine Lecavalier in Hochform.

Eine wuschelig lockig-lange Haarpracht über der immer noch knabenhaft-drahtigen Figur. Ihr Auftritt und eine Irrwisch-Geste ­ und ihr Charisma wirft ein Leuchten über die Bühne. Wie wird sie tanzen, jetzt, die neue Lecavalier? Die Stuntman-Acts sind natürlich tabu, aber immer noch voll da die Wachheit ihres Körpers, ihre phänomenalen Reflexe. Jede ihrer Regungen ist fiebriges Kolibriflattern, ist Karateschlag, Peitschenhieb ­ wunderbar unerwartet und so schnell, dass unsere Wahrnehmung süchtig hinterherhechelt.

Auf ihre atemberaubende Bewegungsqualität haben Crystal Pite, Tedd Robinson und Benoît Lachambre klug zuchoreographiert. So sehen wir sie in stahlblauem Herrenkostüm im Gewirr von Notenständern als sonderbar versponnenen Dirigenten, als hinreißend flackerig nervösen Matrosen und am Ende in schlaff um sie hängender Streetdance-Kluft als gespenstischen HipHop-Wiedergänger.

Lachambres 40-Minüter in Über-Zeitlupe ist für den Zuschauer ein Strapazierer, immerhin aber Kontrast zur "Überschall"-Lecavalier, die hier in äußerster Kontrolle jeden kleinsten Muskels schon zum japanischen Butoh-Tanz übergeht. Lecavalier weiß, was für sie gut und richtig ist.

Samstag:

Attakkalari aus Indien, Muffathalle.

Samstag und Sonntag:

Jan Fabre, Carl-Orff-Saal; Mal Pelo, i-camp; Chris Ziegler, Black Box.

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