Karneval, Ikonen und antikes Theater

- Die griechische Hafenstadt Patras präsentiert sich im neuen Jahr als Kulturhauptstadt Europas 2006 - mit einem 17,5 Millionen teuren Kulturprogramm, einem für den Südosten Europas einmaligen Karneval und einer der schönsten Landschaften Griechenlands. Für ihren Auftritt hat sich die Stadt herausgeputzt: Viele der neoklassizistischen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert wurden renoviert. "Wichtig für uns ist, unsere Stadt in ganz Europa als Kulturzentrum bekannt zu machen", sagt der künstlerische Direktor Thanos Mikroutsikos. Der Musiker und Komponist hat kein Interesse daran, spektakuläre Veranstaltungen zu inszenieren. Er will "die Basis für eine bessere Zukunft unserer Stadt" schaffen.

"Wir wollen junge Leute, weil sie die Zukunft der europäischen Kultur sind."

Thanos Mikroutsikos

Patras plant Kulturveranstaltungen in sechs Themenbereichen. Neben einer großen Ausstellung zu Leonardo da Vinci gibt es auch antike griechische Dramen auf der Bühne eines römischen Amphitheaters (19. Mai bis 4. Juni). Ein weiteres Thema sind im November Kunst und Religion mit byzantinischen Ikonen und Malerei. Vom 27. April bis 13. Mai gibt es Poesie und Musik. "Wir wollen junge Leute, weil sie die Zukunft der europäischen Kultur sind", betont Mikroutsikos. Höhepunkt des Kulturprogramms in Patras wird der Karneval sein, der sechs Wochen lang - von 21. Januar bis 5. März - gefeiert wird.

Mit der offiziellen Eröffnung des Kulturjahres am 10. Januar tritt Patras die Nachfolge der irischen Hafenstadt Cork an, Europas Kulturhauptstadt 2005. Cork mit seinen 123 000 Einwohnern war eine der kleinsten Städte, denen der 1985 von der EU geschaffene Titel zuerkannt worden war.

Patras im äußersten Nordwesten der Halbinsel Peloponnes ist mit 164 000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Griechenlands und mit mehr als 20 000 Studenten auch eine der wichtigsten Universitätsstädte des Landes. Vor allem das Nachtleben ist in ganz Griechenland berühmt. Hunderte kleine Tavernen und Café´s findet der Besucher rund um den Psilaló´nia Platz.

Durch die Stadt verläuft eine der ersten Schmalspur-Eisenbahnverbindungen Griechenlands, die Athen mit Patras verbindet. Die "Patrinoi", wie sich die Einwohner nennen, sind auch auf andere Bauten stolz: 2004 wurde eine der längsten Hängebrücken Europas eingeweiht. Die als Jahrhunderttraum der Griechen bezeichnete 2,5 Kilometer lange Brücke verbindet den Südwesten des Festlandes mit dem Nordwesten der Peloponnes.

Zehntausende Touristen reisen jedes Jahr aus Italien per Fähre nach Griechenland. Sie bleiben jedoch meist nicht in Patras, sondern reisen weiter nach Olympia oder in den Süden der Peloponnes. Das große Kulturprogramm soll die Attraktivität der Stadt nun steigern. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Einer Umfrage zufolge wussten selbst von 1000 Griechen nur 16 Prozent, dass Patras Kulturhauptstadt Europas 2006 ist.

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