Karriere ohne Tunnelblick

- Das erste echte Solo auf der aktuellen CD hat er im langsamen Satz von Mozarts KV 548. Wie unangekündigt erhebt sich da das Cello, singt eine schlichte Phrase. Intensiv, doch voller Noblesse, ganz uneitel, mit einem Understatement, das dem Hörer signalisiert: Ich könnte ja mehr, ich will aber nicht - weil's hier eben nicht passt.

Debüt in Salzburg

So unaufgeregt, reif und selbstbewusst, wie Daniel Müller-Schott da spielt, so gibt er sich auch im Gespräch. Dabei hättte der 28-Jährige wirklich allen Grund, als Überflieger zu protzen. Mit 15 gewann er als erster Deutscher den Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb. Doch unter die PR-Räder ist Müller-Schott danach nicht geraten. "Es wird zu viel unter Marketing-Gesichtspunkten gesehen", sagt er. "Das ist diese  Hype-Situation.  Gott  sei Dank hatte ich immer ein Umfeld, das mir Zeit lässt und künstlerische Freiheit."

Die Karriere hat dennoch Fahrt aufgenommmen. Es ist eine stille Karriere, auch wenn Daniel Müller-Schott, der im Münchner Osten lebt, inzwischen ins Fahrwasser von Superstar Anne-Sophie Mutter geraten ist. Sie ist seine Partnerin auf der neuen CD mit Mozart-Klaviertrios, ihr Mann André´ Previn sitzt am Klavier. Eine eigentümliche Verbindung - drei so verschiedene Künstler sind selten für 60 Minuten zusammengespannt worden.

"Ich hatte Glück, dass ich auf Menschen getroffen bin, die einen als Musiker ein eigenes Profil entwickeln lassen", meint Daniel Müller-Schott im Rückblick. Zuallererst waren da natürlich die Eltern - die Mutter eine Cembalistin, der Vater Mathematiker. Dann noch sein Cello-Lehrer, der Münchner Professor Walter Nothas. Menschen, die ihn auch in seinem Selbstverständnis geprägt haben. "Es geht so viel ums Ego eines Interpreten. Aber wenn man das mal in einem größeren Zusammenhang sieht, dann erkennt man: Gegenüber dem Komponisten bin ich doch nichtig und klein."

Dazu passt, das Daniel Müller-Schott auch abseits der klassischen Konzertwesens aktiv ist. Mit dem Pianisten Lars Vogt zum Beispiel, der die Aktion "Rhapsody in School" ins Leben rief. "Wenn man vor 60 Schülern in Remscheid das Cello erklärt, dann gewinnt man womöglich nicht nur die Kleinen für die Musik, sondern auch ihre Eltern, denen begeistert von so einer Aktion erzählt wird."

Als Daniel Müller-Schott in diesem Alter war, stand die Cello-Karriere längst noch nicht fest. Klar, Fußballer hat er zunächst werden wollen, dann entwickelte er eine Vorliebe für Graffitis. "Jetzt ist eben die Musik daraus geworden, und ich fahre nicht schlecht damit." Sogar sehr gut: Der Terminkalender ist gefüllt, gerade war er in New York, demnächst stehen Abende in Hamburg, Frankfurt und Essen an, in München spielt er am 16. Mai mit dem Vogler-Quartett. Und im August folgt das Debüt im Salzburger Festspiel-Olymp.

Vom Musikmarkt dominieren lässt sich Müller-Schott deswegen nicht. Schließlich sagt er noch Sätze wie: "Einen Monat im Jahr halte ich mir frei." Oder: "Es muss auch Tage ohne Musik geben." Seine Interpretationen, die auf ganz eigene Weise Gelassenheit, Stilempfinden und klanglichen Nachdruck verbinden, hat das nur befruchtet. Denn: "Ich kenne Kollegen, die sich kein anderes Leben gestatten. Die haben so einen Tunnelblick. Es ist ein Privileg, sich mit Kunst zu beschäftigen. Ich bin aber auch für ein sinnliches Erleben des Alltags."

Wolfgang Amadeus Mozart: Klaviertrios KV 548, 542, 502. Anne-Sophie Mutter, Daniel Müller-Schott, André Previn (Deutsche Grammophon).

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