Den Karrierestart ermöglichen

- Neues Logo, neues Konzept, neue Kuratorin: In der lothringer 13 in München weht ein frischer Wind. Uli Aigner hat in Wien Kunst studiert und wurde mit multimedialen Rauminstallationen bekannt, die einen gesellschaftspolitischen Körperbezug hatten. Die eigene Existenz reflektieren, soziale Begriffe mit neuen Inhalten zu besetzen, das sind ihre Themen. Zuletzt stellte die dreifache Mutter in Linz ein zeichnerisches, "zeitgenössisches Familienporträt" aus. Nach München kam sie als Gastdozentin an der Kunstakademie von 2002 bis '03.

Wie unterscheiden sich die Kunststädte Wien und München?

Uli Aigner: Im Gegensatz zu München sind die jungen Künstler in Wien angesehener. Dort gibt es viele Diskussionen, Platz in den Hauptnachrichten und eine gute Infrastruktur. Auch hier machen die Institutionen ein tolles Programm, aber ich wünsche es mir kooperativer.

Dazu können, wollen Sie ja sicher beitragen. Welche Kunstrichtung in München interessiert Sie denn?

Aigner: Am meisten interessieren mich die Jüngsten, die direkt aus dem Akademie-Umfeld kommen. Mit denen werde ich auch arbeiten: Heuer sind vier Einzelausstellungen geplant mit Katalog und großem Begleitprogramm.

Inwieweit möchten Sie sich vom bisherigen Konzept absetzen?

Aigner: Ich will mit Künstlern aus München arbeiten und hier ihren Karrierestart ermöglichen. Es sind Künstler, die die wirkliche Gesellschaft und politische Gegenwart reflektieren. Weil die Produktionsbedingungen entscheidend sind, möchte ich das auch mit verarbeitet sehen. Das bedeutet eine stark existenzielle Ausdeutung: Was ist ein Künstler, wo ist seine Position? Das kann in der Malerei, Skulptur oder Audiokunst sein. Viele Künstler sind sehr produktiv. In München gibt es einen Boom an selbstorganisierten Räumen und Galerien seit sechs Jahren. Aber man muss den großen Auftritt der ganz Jungen leisten können. Da sind wir in der lothringer konkurrenzlos.

Ist das der einzige Unterschied zu den anderen Ausstellungsräumen?

Aigner: Ich verstehe die lothringer als städtische Kunsthalle, die es ermöglicht, vor Ort etwas Größeres zu entwickeln. Ich habe ein sehr kommunales Denken und setze auf individuelle Künstlerförderung. Die 900 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind eine Herausforderung.

Das Gespräch führte Freia Oliv

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