Auf dem Karussell

- Konsum und Sex gehörten auch schon ins Existenz-Repertoire des Höhlenbewohners. Beim Neuzeitmenschen scheint es nur noch um K & S zu gehen - global einprägsam etikettiert seit "Shoppen und Ficken" des britischen Dramatikers Mark Ravenhill. Gemeinsam mit Hilary Fannin, Stephen Greenhorn und Abi Morgan schrieb er "Sleeping Around", bereits Broadway-getestet und jetzt als zynisch-amüsantes "Rundschlafen" (Regie: Mario Anderson) ein Erfolg fürs rege "inkunst"-Kollektiv in der Münchner Halle 7.

<P>Eine hochhackige Cola-Werbe-Hyäne im Anheuerungs-Chat mit promoviertem Markt & Bedürfnis-Ausschnüffler auf einem sich drehenden Bühnenpodest. Illusion von kreisendem Hochhausrestaurant, wenn sie hinaufschauen zum Mond, wo via Satellit das Firmen-Logo leuchtet. Er dann in Szene 2 privat mit Groupie-Studentin. Diese in Szene 3, jetzt beim Lagerhaus-Jobben, mit einfachem Wachmann. Und so zwölf Szenen lang verkettet nach dem "Reigen"-Muster, wenn auch nicht so schlüssig wie Arthur Schnitzlers Erotik-Hunter.</P><P>Zwangsweise: Sarah, Murray, Kate etc. sind Projektionsflächen menschlicher Verletzlichkeiten, Schwächen, Entartungen _ im immerhin weiten Bogen zwischen Business, Libido und Liebe. Es sind Beispiel-Träger in typischen Situationen, vom abgekühlten Ehebett bis zum Hotelmatratzen-Quickie, erfunden von vier verschiedenen Autoren. Qualitätsschwankung fast programmiert. Manches wirkt wie eine Vorsprech-Übung. Klar, das Brit-Quartett liefert vorwiegend Spiel-Rohmaterial. Aber wenn Mario Anderson die Szene geknackt hat und die Schauspieler gut sind _ aus zwölf nur stellvertretend Illi Oehlmann, Brit Bartuschka, Michè`le Tichawsky, Dirk Müller, Dietmar Kwowa _ hat dieses Häppchen-Theater auf Claudia Weinharts "Sleeping"-Karussell eine boulevardeske Leichtigkeit, in der sich, bei einer weggedrückten ernsten Träne, herzlich lachen lässt. </P>

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