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Kasarova: Ein Liederabend aus einem Guss

- Drum singe, wem Gesang gegeben! Kein Zweifel möglich, dass er Vesselina Kasarova gegeben ist: Sie und ihr feinfühliger Klavierbegleiter Charles Spencer rissen bei ihrem Liederabend im Münchner Nationaltheater die Zuhörer zu Begeisterungsstürmen hin - mit einem Programm abseits der ausgetretenen Repertoire-Pfade: Liedern von Charles Gounod, Georges Bizet und Johannes Brahms stellte die Sängerin Johannas Abschiedsarie aus Tschaikowskys "Jungfrau von Orleans" und Kuriositäten wie Joseph Haydns Solo-Kantate "Arianna a Naxos" und "Giovanna d'Arco" für Solostimme und Klavier von Gioacchino Rossini gegenüber.

<P>Dennoch ein Abend aus einem Guss, ein Kontinuum menschlicher Emotionen vom In-Sich-Versunkensein der Brahms'schen "Feldeinsamkeit" über die mal melancholisch, mal frivol gefärbten französischen Liebeswerbereien bis hin zu tragisch-großen Szenen, die mit ihrer extrovertierten Formulierung von Angst und Schmerz die Qualität von Miniatur-Opern bekamen.<BR>Im romanischen und slawischen Teil des Programms schien Kasarova noch natürlicher zuhause als im deutschen: Zauberhaft, wie halb kokett, halb zart sie in Gounods "Où` voulez-vous aller?" die Musik auf den Refrain "La brise va souffler" verlebendigte, mit welch subtiler Mischung aus erotischem Begehren und Abschiedsschmerz sie Bizets "Abschiedsgruß der arabischen Gastgeberin" erfüllte.</P><P>Lediglich bei Brahms liefen solche theatrale Qualitäten, ein manchmal fast rezitativisch freies Rubato, minimale Verzögerungen von Konsonanten, Gefahr, etwas manieriert zu wirken - als wolle die Künstlerin den grüblerischen Gesängen eine mediterrane Leichtigkeit einpflanzen, die nicht zu ihnen passt.</P><P>Am Ende überreichte Sir Peter Jonas persönlich den Blumenstrauß - der Tag des Konzerts war Kasarovas Geburtstag. Die Künstlerin dankte mit Musik, die ihrem Herzen hörbar besonders nahe ist: zwei bulgarischen Liedern von feiner, geschmackvoller Sentimentalität.<BR></P>

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