Kasperl, Kabarett und Klee

- Noch laufen in München und Umgebung viele schöne und aufregende Ausstellungen, zeigt sich beispielsweise das Lenbachhaus mit seiner neuen Präsentation der Künstlergruppe Der Blaue Reiter frech und peppig oder die Pinakothek der Moderne sowohl Juwelen- wie auch Lichter-glanzvoll. Aber es soll hier vor allem auf die kommenden Monate Appetit gemacht werden, die frische, aufregende Augen-Genüsse bringen.

Museum Villa Stuck:

Aus Vancouver übernimmt das Haus eine Schau mit Brian Jungens unheimlichen Ornament-Wucherungen (ab März). Den wildbewegten, farbtollen Asger Jorn lernt man ab Mai als "Italiener" mit seinen Keramiken und Plastiken kennen. Da die Villa auch das Jugendstilmuseum enthält, pflegt man diese Richtung besonders. Ab Juni werden Objekte aus Münchner Privatsammlungen präsentiert. Im Oktober lockt dann "Kabarett Fledermaus" (mit dem Wiener Theatermuseum).

Lenbachhaus/ Kunstbau

Nach Gabriele Münters Fotos von ihrer USA-Reise werden heuer ab 10. Februar ihre Aufnahmen aus der Zeit mit Wassily Kandinsky und dem Blauen Reiter präsentiert (Lenbachhaus). Natur und Kunst ­ ein weites Feld. Das durchpflügt die Schau "Gärten: Ordnung, Inspiration, Glück" ab April (Kunstbau). Vom Frühling bis zum Sommer wird der schräge Objektkünstler Eric van Lieshout den Museumsplatz bespielen, danach der edel werkelnde Anish Kapoor (s.a. Haus der Kunst).

Unter dem Motto "To Have And Have Not" zeigt die Städtische Galerie Neuerwerbungen und formuliert Wünsche für die aktuelle Sammlung (Lenbachhaus ab Juli). Dan Flavins wundervolle Licht-Installation wird wieder einmal den Kunstbau verzaubern (August), bevor ihn Willie Doherty mit Video- oder Foto-"Geschichten" besetzt. Ab Mitte Dezember 2007 startet das Lenbachhaus mit den Huldigungen für Rupprecht Geiger. Er wird im Januar 2008 100 Jahre alt.

Pinakothek der Moderne

Kunst:

Alfred Hitchcocks Kurz-Auftritte in seinen Filmen benutzt Johan Grimonprez für sein surreales Projekt (ab 22.3.) Ebenfalls ab Ende März sind die Portfolios des Fotografen William Eggleston zu begutachten. "Für Otto Frendlich" heißt die Schau, die an den von den Nazis verfemten Bildhauer erinnert (ab 15.7.). In den Fernen Osten richtet sich der Blick mit "Humanism in China ­ Ein fotografisches Porträt" (ab 19.7.). "Max Beckmann in Amsterdam" schildert, wie sich das Exil auf den großen Expressionisten auswirkte (ab 13.9.).

Design:

PVC oder Aluminium, Spott über den Männer-Schwarm Auto ­ der niederländische Schmuck-Künstler Gijs Bakker gehört seit den 1960ern zu den Besten aus der Gilde des Autorenschmucks (ab 10.3.). Dass es geometrische Abstraktion nicht nur auf Gemälden gibt, beweisen die Quilts der Amischen, einer dem Modernen abholden Sekte in den USA (ab März).

Grafik:

Berühmt sind seine luftig-bunten Bilder. Max Pfeiffer-Watenphuls Aquarelle und Zeichnungen, darunter viele unbekannte, zeigt die Graphische Sammlung ab 15. März. Zarte Abstraktion kommt mit James Bishop zum Zug, der zu seinem 80. Geburtstag geehrt wird (ab Mitte Juni). Noch eine Hommage: "Fritz Wotruba ­ Zeichnungen und Steine" feiert den Bildhauer zu seinem 100. (ab September).

Architektur:

Noch ein Hunderter. Der Deutsche Werkbund prägte die gewerbliche Arbeit vom Bauen bis zur Fotografie, um zwischen Handwerk und Industrie zu vermitteln, aber auch um die Produktion von modernen, qualitätsvollen Dingen zu fördern (ab 19. April).

\b Neue Pinakothek

Eine Sonderausstellung entführt ins Griechenland des frühen 19. Jahrhunderts. "Carl Rottmann ­ 10 Tonnen Hellas" informiert über eine zentrale Werk-Gruppe in diesem Museum (ab 25.1.)

Hypo-Kunsthalle

Die Kunsthalle Emden, gegründet von Henri Nannen, gibt ein München-Gastspiel mit "Nolde bis Beckmann ­ Jorn bis Richter" (ab 19.1.). Einem heiteren Abstrakten wird ab Ende April mit einer umfassenden Retrospektive gehuldigt: Serge Poliakoff. Im Sommer stellt man an der Theatinerstraße die Sammlung Jan Krugier und Marie-Anne Krugier-Poniatowski unter dem Titel "Das ewige Auge ­ von Rembrandt bis Picasso" vor. Die Funde aus den Königsgräbern der Skythen sind von Ende Oktober an zu bewundern ­ "Im Zeichen des goldenen Greifen". Eine grandiose Entdeckung wird sich da auftun ­ in eine so ferne wie vergangene Welt (Iran, Südrussland).

Münchner Stadtmuseum:

Wie berichtet, wird das historische Zeughaus umgebaut und hergerichtet für die Dauerpräsentation "Typisch München!" (2008); daher gibt es heuer ein "Notprogramm". Münchner "Originale" wie die Moriskentänzer sind ab 6. Februar in der Ausstellung "München wie geplant" untergebracht. "Kasperls Heldentaten ­ Franz Graf Pocci und die Folgen" erleben wir vom 2. März an. Erlesene Aufnahmen aus alter Zeit werden ab Ende März in "Münchner Kreise ­ Der Hoffotograf Theodor Hilsdorf 1868-1944: Eine Epoche in Porträts" zu genießen sein.

Haus der Kunst

Alles ist be-punktet oder be-netzt. Yayoi Kusamas "Obsessionen", die sich über Räume hinwegziehen, sind ab 7. Februar zu beäugen. Andreas Gursky zählt weltweit zu den wichtigsten Fotokünstlern unserer Zeit. Die Galerie bietet die bisher größte Retrospektive auf sein Schaffen (ab17.2). Von Mai an wird ein Weilheimer geehrt. "Georg Petel ­ Kunst im Dreißigjährigen Krieg" erinnert an den "deutschen Michelangelo".

Filme- und Theatermacher sowie bildender Künstler Christoph Schlingensief reagiert mit seiner stetig sich wandelnden Installation "Animatograph" auf die "Ehrenhalle", in der sich "Experte" Adolf Hitler 1938 über "deutsche Kunst" ausließ (ab Ende Mai). Das poppige, englische Team Gilbert & George ­ mittlerweile schon Klassiker ­ ist mit einer umfassenden Exposition hier im Sommer vertreten.

Umfängliche, große Gefäße, die zu feinsten Skulpturen verwandelt werden, stammen von Anish Kapoor. Seine Werke werden ab 6.10. vorgestellt. 70 Jahre Haus der Kunst: Die Architektenteams Herzog & de Meuron sowie Rem Koolhaas haben über weitere Nutzungen nachgedacht (ab Oktober). Robin Rhode, Performancekünstler, entwickelt fürs Haus der Kunst große Wand-Zeichnungen (ebenfalls ab Oktober).

Schlossmuseum Murnau

Noch läuft die schöne, empfehlenswerte Exposition "Damals in Oberbayern" (bis 4.3.), ein nostalgie-warmer Rückblick ins 19. Jahrhundert. Danach aber ist die Moderne dran. Es geht ab Ende März um "Bauhausideen um Itten, Feininger, Klee, Kandinsky": Motto ist "Vom Expressiven zum Konstruktiven". Vom 27. Juli an bis Anfang November dräuen "Die 7 Todsünden. Alfred Kubin ­ Tradition und Moderne".

Tegernsee: Gulbransson-Museum

Den Auftakt macht Rudi Hurzlmeier mit "Meisterwerken der komischen Periode" (ab 7.1.). Dieter Groß zeigt von 4.3. an seine Tages-Blätter, z.B. überzeichnete Zeitungsbilder. Ab Mai beziehungsweise ab September reizen die Cartoonisten Rainer Ehrt und Hans Reiser zum Lachen. Als Höhepunkte kündigt das Museum die Ausstellungen der Werke des sowjetkritischen Künstlers Boris Birger (ab 1.7.) und ab November des DDR-semi-kritischen Wolfgang Mattheuer (1927-2004) an. Birger (1923 geb.), der schon in den 60er-Jahren von Chruschtschow angegriffen wurde, konnte 1990 nach Deutschland auswandern. Er lebt in Rolandseck.

Bernried: Buchheim Museum

Die Picasso-Schau, die eine faszinierende Vielfalt exzellenter Grafik bietet, wurde bis zum 14. April verlängert. Ende April wird die Exposition "Meister der Plakatkunst ­ Von Chéret bis Toulouse-Lautrec" eröffnet. Von September an gilt die Aufmerksamkeit des Hauses, das ja vor allem den Expressionisten verpflichtet ist, "Max Beckmann und Lovis Corinth ­ Zwei Maler aus Deutschland".

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