Kate verkauft

- "Das Leben ist hart, kein Wunder, dass so viele auf der Strecke bleiben." Laut Scott Berg ein Lieblingssatz von Katharine Hepburn. Am 29. Juni ist die Schauspielerin gestorben. Just an diesem Tag wurde Berg mit seinem Buch "Kate remembered" fertig, zwölf Tage später lag es in den amerikanischen Buchhandlungen. Ein Zufall? Ein lange geplanter Clou von Hepburn und Berg? Oder ein plumper Vermarktungstrick?

<P>Jetzt ist die Biografie, die keine sein will, auf Deutsch unter dem Titel "Katharine Hepburn. Ein Jahrhundertleben" erschienen. Bereits im Vorwort weist Berg darauf hin, dass er nicht "unvoreingenommen" über die Hepburn berichten kann, weil er "schon als Bewunderer in ihr Leben" trat. Das Buch ist auch weniger eine Biografie als eine lange Hymne, fast ein Liebesbrief. Eitel und selbstgefällig schildert Berg vor allem eins: das Vertrauen der Hollywood-Diva in ihn. "Ich dachte über all die privaten Geschichten nach, die Kate mir in den letzten Tagen anvertraut hatte, ohne dass ich sie danach hätte fragen müssen."</P><P>Er verliert sich in Details, die selbst den eingefleischten Fan nicht interessieren dürften: Der Leser erfährt, welche Farbe "Kates" Pyjama hatte (nämlich Weiß, der Morgenmantel dagegen war "rot-verblichen") und dass sie täglich "Psyllium-Samenhülsen" aß, um ihre Verdauung in Schuss zu halten. Berg zieht Katharine Hepburn herab in seine eigene Durchschnittlichkeit.</P><P>In den elf Kapiteln, die Titel wie "Morgenrot des Ruhms" oder "Wieder in Blüte" tragen, finden sich Anekdoten über Hepburns Filme, über ihre Lebensgefährten und einen Abend mit Michael Jackson - kaum etwas, das sie nicht bereits 1991 in ihrer Autobiografie "Me" ("Ich. Geschichten meines Lebens") erzählt hätte. Am Ende beschreibt Berg Hepburns geistigen und körperlichen Verfall und stilisiert sich selbst zum Helden, der ihr 1997 noch einmal neuen Lebensmut eingehaucht hätte. Über sein Gespräch mit der kranken Hepburn verweigerte er damals jede Auskunft, weil es "vertraulich" war. Jetzt macht Berg es einem Millionenpublikum zugänglich. Am Ende heißt es: "Sonntagnachmittag, am 29. Juni 2003, bekam ich den Anruf, den ich schon so lange erwartet hatte." Kate war tot, der Buchverkauf konnte beginnen.</P><P>A. Scott Berg: "Katharine Hepburn. Ein Jahrhundertleben". Karl Blessing Verlag, München. 382 Seiten, 21 Euro.<BR></P>

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