Kater und Maus

- Wer sich wundere, dass ein Wiener Kabarettist nicht zu Hause, sondern im fernen München sein neuestes Programm uraufführe, der habe wohl den europäischen Gedanken noch nicht verinnerlicht. Sagt Alfred Dorfer grinsend und feuert eine letzte vergiftete Schmeicheleinheit auf das Publikum im Lustspielhaus ab. Denn der Österreicher ist nicht gerade zimperlich mit dem Nachbarn, einem "Schwellenland", dessen Arbeitslose auswandern, um in seiner Heimat "die Jobs zu machen, die die Türken nicht mehr machen wollen".

"Fremd" ist dieser Abend betitelt, doch Dorfer fremdelt kein bisschen, vor allem, wenn er Deutschland im Visier hat. Mit dem politischen Personal von Schröder über Merkel bis zu Stoiber ("Mia ham vüü - aba sowos hamma ned!") macht der Spötter kurzen Prozess, und auch der Rest der Republik hat nichts zu lachen - sozusagen. Aber mit den aussterbenden Völkern meint er auch sein eigenes. Ein Querschläger, der ahnen lässt, was den Landsleuten blüht, wenn er bei sich daheim auftritt.

Denn Dorfer schießt in alle Richtungen - aus der Hüfte und sehr zielsicher. Ein Jäger mit starken Nerven, ein smarter Zyniker, der mit seinem Publikum und mit den herrschenden Verhältnissen spielt wie der Kater mit der Maus - rockig unterstützt von seiner Band (Günther Paal, Peter Herrmann und Lothar Scherpe). Seine Bühnen-Konstruktion einer "auf dem Klo" generierten multiplen Persönlichkeit bleibt zwar etwas vage, aber sie gibt Raum für Rollen, in denen viel Sprengstoff steckt - für abgebrühte Entertainer ebenso wie für linke Kuschler.

Auch sonst bleibt kein Stein auf dem anderen, weil der Pop-Philosoph zu gerne die Chronologie auf den Kopf stellt und Geschichte rückwärts erzählt - mit abstrusen Ergebnissen. Apropos Geschichte. Jetzt, wo Deutschland aus dem Tritt geraten sei, brauche es vielleicht wieder einmal einen Österreicher . . . Sagt Dorfer. Gerne. Wenn's einer wie Alfred Dorfer ist!

Bis 25. März, 20.30 Uhr. Tel.: 089/ 34 49 74.

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