Schauspielerin und Autorin Katerina Jacob lebt in Kanada- oder bei ihrer Mutter Ellen Schwiers in Berg am Starnberger See.

Im Interview

Katerina Jacob: Heimat in Deutschland, Zuhause in Kanada

München - Katerina Jacob kennen die meisten als Partnerin des "Bullen von Tölz". Seit einiger Zeit hat sich die Schauspielerin allerdings aufs Schreiben verlegt. Im Interview spricht sie über ihr Buch „Oh (weia) Kanada“, Bärenspray und warum die Kanadier anders als die Deutschen stolz auf ihr Land sind.

Vom 4. Mai an wird Katerina Jacob mit „Altweiberfrühling“ in der Kleinen Komödie im Bayerischen Hof den Bühnenabschied ihrer Mutter Ellen Schwiers feiern. Dem TV hatte die Ex-„Der Bulle von Tölz“-Ermittlerin Jacob wegen zu laienhafter Kollegen vor Jahren Adieu gesagt. Seitdem hat sich die 57-Jährige, die fünf Monate im Jahr in Kanada und sonst bei der Mutter in Berg am Starnberger See lebt, auf das Schreiben verlegt. Im Interview spricht sie über ihr Buch „Oh (weia) Kanada“, Bärenspray und warum die Kanadier anders als die Deutschen stolz auf ihr Land sind.

Wie kamen Sie auf den originellen Titel?

Mit „Oh Kanada“ beginnt die Nationalhymne, und weil ich lauter Unfälle oder absurde Situationen schildere, fiel mir das „weia“ ein.

Es reiht sich tatsächlich Anekdote an Anekdote. Manche, wie die mit dem steif gefrorenen Onkel auf der Veranda, kann man gar nicht glauben... Haben Sie etwas aufgepeppt?

Alles ist eins zu eins, wie man es mir erzählt hat!! Ich kann nichts dafür, wenn sich Leute mit Bärenspray einsprühen statt damit den Bären! Oder einer mit leerem Benzinkanister auf einen See hinausfährt. Aber so sind die Kanadier!

Manche ihrer Protagonisten kommen nicht gut weg. Haben Sie ihnen vorher das Buch gezeigt?

Ich bete, dass das Buch nie dort erscheinen wird! (Lacht.) Aber von den deutschen Protagonisten haben es alle gelesen. Auch meine Freundin Geli mit dem abstrusen Selbstfindungskurs.

Ihren Mann beschreiben Sie als Drill-Sergeant. Sie haben eine besondere Art, den Leuten charmant Ihre Fehler hinzureiben... Ist Ihnen das bewusst?

Nein, aber ich mache vor mir auch nicht halt.

Stimmt. Sie zitieren einen Polizist mit den Worten: „Wie kommst Du mit ihr klar? Kann nicht einfach sein.“

Beim Raften nannte mich ein Hells-Angels-Anführer nur „Trouble. She’s trouble.“ Wenn man mit mir zusammen ist, ist man mit einer Rakete zusammen.

Sie haben einmal gesagt: „Ich hoffe, dass ich aus der Ferne wieder einen Blick bekomme für die Schönheiten Deutschlands.“ Hat es geklappt?

Ja. Was ich an den Deutschen zu schätzen gelernt habe ist ihre Effizienz und Pünktlichkeit. (Lacht.) Sie sagen auch, was ihnen nicht passt.

Sie schreiben, dass die Kanadier „tief mit der Heimat verwurzelt sind und stolz auf sich, ihre Geschichte und ihr Land sind.“ Wie würden Sie die Deutschen beschreiben?

Die Geschichte fängt in Kanada vor 180 Jahren an. Ich wohne in einem schützenswerten Haus von 1945. Da schmeiß ich mich weg! Die Deutschen sind hin- und hergerissen. Um stolz auf unsere Geschichte sein zu wollen, muss man Teile ausklammern. Wir sollten aber stolz darauf sein, das wir das Land der Dichter und Denker waren. Und auf Letztem liegt die Betonung, denn wir sind zu amerikanisiert. Wir haben unsere deutschen Vorzüge vergessen.

Was würden sie sich von den Deutschen mehr wünschen?

Höflichkeit, Nettigkeit und die Naivität, das Leben als schön zu betrachten! Das haben die Kanadier inhaliert.

Sie haben zwei Staatsbürgerschaften. Wo ist ihre Heimat?

Meine Heimat wird Deutschland bleiben, aber mein Zuhause ist Kanada. Deutschland hat mir aber meine Wurzeln mitgegeben. Meine Familie ist zerrissen, sie wohnt in den USA, Kanada und Deutschland. Ich möchte auch nicht, das meine Enkel ihre Herkunft vergessen.

Haben Sie je Fremdenhass in Kanada erlebt?

Der Rassismus wird von vorneherein unterbunden. In der Klasse meines Enkels gibt es 30 Nationalitäten und nur Ethikunterricht. Wie wollen sie sonst alle unter einen Hut bringen? Es gibt so viele Mischehen, extrem viele chinesisch-weiß. Die Chinesen demonstrieren gerne vor ihrer Botschaft für die Menschenrechte. Das dürfen sie die zwei Meter vor ihrer Botschaft. Sie glauben gar nicht, wie schnell Sie ausgewiesen werden! Man muss sich anpassen.

Angelika Mayr

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