Katharina Hacker erhält den Deutschen Buchpreis 2006

- Frankfurt/Main - Die Schriftstellerin Katharina Hacker hat für ihren Roman "Die Habenichtse" den Deutschen Buchpreis 2006 erhalten. Die 39-jährige Autorin aus Berlin setzte sich im Finale des mit insgesamt 37 500 Euro dotierten Preises gegen fünf andere Autoren durch.

Mit dem Preis zeichnet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels - am Vorabend der Frankfurter Buchmesse - den "besten deutschsprachigen Roman" innerhalb eines Jahres aus. Der Sieger erhält 25 000 Euro, die übrigen Finalisten jeweils 2500 Euro.

Neben Hackers Buch kamen unter 120 eingereichten literarischen Neuerscheinungen Martin Walsers ("Angstblüte"), Ingo Schulze ("Neue Leben"), Ilja Trojanow ("Der Weltensammler"), Thomas Hettche ("Woraus wir gemacht sind") und Sasa Stanisic ("Wie der Soldat das Grammofon repariert") ins Finale.

Mit dem Preis, der sich am britischen Booker Prize orientiert, soll die deutschsprachige Literatur auch im Ausland bekannter gemacht werden. Im vergangenen Jahr erhielt der österreichische Autor Arno Geiger ("Es geht uns gut") die 2005 erstmals verliehene Auszeichnung.

In Hackers zeitkritischem Roman geht es um ein erfolgreiches junges Paar, das sich am 11. September 2001 - dem Tag der Terroranschläge auf das World Trade Center in New York - auf einer Party in Berlin trifft. Beide gehen nach London. Dort gerät ihr Leben plötzlich Schritt für Schritt aus den Fugen.

"Die Habenichtse erzählt die Geschichte von Haben und Sein neu. Ihre Protagonisten sind in den Dreißigern, wissen alles und kennen doch eines nicht: sich selbst. Sie lassen sich treiben und sind gleichermaßen Getriebene", erklärte die Jury. In einer "flirrenden, atmosphärisch dichten Sprache" stelle Hacker die Fragen nach den Werten unserer Gesellschaft. Die besondere Qualität des Romans bestehe darin, dass sich Hacker "mit den plakativen Antworten von Politik und Medien" nicht zufrieden gebe.

Die in Frankfurt geborene Hacker, die Philosophie und Geschichte sowie Judaistik in Freiburg und Jerusalem studierte, ist durch ihre Bücher "Eine Art Liebe" (2003) und "Der Bademeister" (2000) bekannt geworden. Die Autorin lebte von 1990 bis 1996 in Israel. Im vergangenen Jahr war sie Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim bei Frankfurt.

Der Preis werde ihr helfen, vom Schreiben zu leben zu können, sagte Hacker. "Es wird sich nicht viel in meinem Leben ändern", meinte die Preisträgerin nach der Preisverleihung auf einer Pressekonferenz, bei der sie ihre dreieinhalb Wochen alte Tochter Philippa in den Armen hielt.

Der jedes Jahr neu gewählten Jury gehörten die Autoren John von Düffel und Terézia Mora an, die Kritiker Volker Hage ("Der Spiegel"), Elmar Krekeler ("Die Welt"), Pia Reinacher, Denis Scheck (Deutschlandfunk) und der Buchhändler Stephan Samtleben an.

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