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„Ich habe geturnt, seitdem ich laufen konnte“: Katharina Huber im Luftnetz. Am kommenden Montag tritt sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen von der Berliner Artistik-Schule im Münchner GOP auf.

Interview zur Münchner Show

Katharina Huber: Mit Netz, ohne doppelten Boden

München - Katharina Huber aus Bad Wiessee hat sich ihren Traum erfüllt: Sie steht am Beginn einer Artisten-Karriere.

Wenn an diesem Montag im Münchner Varieté-Theater GOP das Licht gedimmt wird und die Absolventen der Staatlichen Schule für Artistik Berlin ihre Abschlussshow präsentieren, wird auch Katharina Huber aus Bad Wiessee über die Bühne schwingen. Mit 15 Jahren verließ sie das Tegernseer Tal, um in Berlin zur Artistin ausgebildet zu werden. Nun steht die Zwanzigjährige am Beginn ihrer professionellen Laufbahn.

Mit 15 Jahren von Bad Wiessee nach Berlin, um Artistin zu werden: Wie kam es dazu, dass Sie sich auf dieses Abenteuer eingelassen haben?

Ich hatte damals gerade meinen Quali gemacht – so wurde es Zeit, sich zu überlegen, wohin es nun beruflich gehen sollte. Mein Vater hatte im Fernsehen einen Bericht über die Artistenschule in Berlin gesehen. Ich war begeistert, habe mich im Internet informiert und mich dann dazu entschieden, den Eignungstest und die Aufnahmeprüfung zu absolvieren. Es hat geklappt.

Einfach so?

Na ja, ich habe eigentlich schon immer geturnt. Meine Mutter sagt, dass ich beim Mutter-Kind-Turnen war, seitdem ich laufen konnte. Später war ich beim TSV Rottach-Egern. Hobbymäßig. Geräteturnen, Trampolin, Gymnastik. Dreimal die Woche. Turniere waren eher die Ausnahme.

Ein Hobby, das Sie dann doch zum Beruf machen wollten. Warum?

Es hat mich ganz einfach interessiert, was es heißt, Artistin zu werden. Vor allem fand ich es interessant, von zu Hause wegzugehen. Es war für mich immer klar, nicht im bescheidenen Dörfchen zu bleiben. Berlin hat mich gereizt.

Hatten Sie keine Angst?

Oh doch – und wie! Und Heimweh ohne Ende mit allem Drum und Dran. Doch meine Eltern und ich haben uns gegenseitig besucht und viel telefoniert. Unser Verhältnis ist dadurch vielleicht sogar noch besser geworden, als es ohnehin schon war. Ich bin Einzelkind, für sie war es natürlich auch schwer. Doch sie haben mich voll unterstützt.

Artistenschule Berlin. Das klingt nach Freiheit, Kreativität, Lebensfreude. War es das?

Na ja, vor allem war es erst einmal anstrengend. Ich konnte meine Schulausbildung gleichzeitig weitermachen. Ich musste also morgens erst um 8 Uhr zwei Stunden zum Training und danach in den Schulunterricht. Pause, und das Ganze noch mal von vorne. Das war sehr, sehr anstrengend. Für mich war dieses harte Training völlig neu. Viele meiner Klassenkameraden waren schon im Kinderzirkus oder im Leistungsturnen. Ich war platt nach so einem Tag.

Gab es Tiefpunkte, die Sie überwinden mussten?

Ja, in der zehnten Klasse. Wir durften uns ein Requisit aussuchen, auf das wir uns spezialisieren konnten. Ich wollte Seiltanz, der war immer mein Traum. Doch dann hatte ich eine Stressfraktur in beiden Füßen – aus der Traum. Das war ein Tiefpunkt.

Und jetzt?

Habe ich mir wohl oder übel ein anderes Gerät ausgesucht, das Luftnetz. Es ist ein bisschen wie ein Tuch, das zu einem Dreieck zusammengelegt und an zwei Punkten aufgehängt wird. Wir mussten uns erst anfreunden. Aber es wird.

Sie und Ihr Requisit: bereit für die große Karriere als Artistin?

Ja, jetzt nach diesen fünf Jahren, in denen man sich da durchgekämpft hat, auf alle Fälle. Klar gehört Glück dazu. Es kann sein, dass ich als selbstständige Artistin keine Aufträge bekomme. Ich könnte mich verletzen. All das berücksichtige ich natürlich. Spätestens seit meiner Verletzung weiß ich, dass eine Artisten-Karriere innerhalb einer Sekunde vorbei sein kann.

Ihre berufliche Alternative?

Ich bin offen für andere Aufgaben. Viele Absolventen unterrichten später an anderen Schulen. Mich würde eher interessieren, in Richtung Öffentlichkeitsarbeit im Varieté oder im Theater zu gehen.

Am Montag treten Sie mit Ihrer Abschlussklasse im Rahmen der zweimonatigen Tournee in München auf. Wie liefen die bisherigen vier Wochen? Macht’s noch Freude?

Und wie! Es ist zwar sehr anstrengend, wir reisen von Stadt zu Stadt und haben manchmal gar keinen Überblick mehr, wo wir gerade sind. Aber wenn ich dann am Abend auf der Bühne stehe, bin ich sehr glücklich.

Und nun München. Ein Heimspiel.

Ja, das wird natürlich etwas Besonderes: Meine Familie, Verwandten und Freunde kommen – darauf freue ich mich schon sehr.

Worauf darf das Münchner Publikum gespannt sein?

Auf eine Show, die unglaublich viele Facetten zeigt. Von modernem Hip-Hop bis zum Revuetanz – tolle Musik, eine tolle Choreographie. Und neun verschiedene Menschen, die ihr Bestes geben

Das Gespräch führte Katja Kraft

Die Abschlussshow ist an diesem Montag,

Telefon 089/ 210 28 84 44.

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