Katharina Wagner im Gespräch "Der Stiftungsrat kann viel diskutieren"

Bayreuth - Katharina Wagners Neuinszenierung der "Meistersinger von Nürnberg" war heuer das wichtigste Ereignis in Bayreuth. Die Festspiele gingen gestern Abend zu Ende.

Welche Bilanz ziehen Sie nach Ihrer ersten Spielzeit als Regisseurin in Bayreuth?

Man kann vom Standpunkt des Regisseurs aus relativ zufrieden sein. Fertig ist eine Inszenierung nie, aber grundsätzlich würde ich schon sagen, dass wir es geschafft haben, dem Publikum etwas zu liefern, wofür man sich nicht schämen muss.

Was sind Ihre weiteren Pläne als Regisseurin?

Im Frühjahr 2008 wird in Seoul die Bayreuther "Parsifal"-Inszenierung meines Vaters aus dem Jahr 1989 wiederaufgenommen. Dort bin ich die Spielleiterin. Dann habe ich bald Bauprobe für "Rienzi" am Theater Bremen. Das Stück soll im Herbst 2008 herauskommen. Es wird auch etwas mit der Deutschen Oper Berlin geben, da sind wir uns über das Stück noch nicht ganz einig.

Man munkelt, dass Sie 2013 den neuen Bayreuther "Ring" zum 200. Geburtstag von Richard Wagner inszenieren werden.

Das munkelt jeder. Die Leute verabschieden sich schon von mir mit den Worten: Ich freue mich auf Ihren "Ring" 2013. Und ich weiß noch gar nichts. Sobald ich etwas davon mitbekommen habe und es veröffentlichen kann, werde ich Bescheid sagen.

Ihr Vater wird morgen 88 Jahre alt. Mehr denn je stellt sich die Frage nach der künftigen Festspielleitung. Im Herbst wird sich der Stiftungsrat treffen.

Der Stiftungsrat kann natürlich sehr viel diskutieren, aber eine Diskussion muss noch lange nicht zu einem Ergebnis führen. Ich weiß, dass jeder den großen Clou im Herbst erwartet, aber ich bin in der Einschätzung eher zurückhaltend.

Wer wird die Festspiele 2008 leiten?

So wie der Status quo ist, wird es Wolfgang Wagner sein, da er einen Vertrag auf Lebenszeit hat. Ich habe meine Haltung zu der Sache klar gemacht: Dass ich bereit wäre, wenn die Bedingungen stimmen, sprich: wenn man nicht auf die Idee kommt, mit der neuen Leitung alle Zuschüsse wegzukürzen oder so etwas. Mir geht es nicht um den Titel. Mir geht es darum, dass die Bayreuther Festspiele innovativ in die Zukunft geführt werden. Dafür würde ich auch meinen geliebten Beruf als Regisseurin erst einmal auf Eis legen. Beides geht einfach nicht. Entweder man leitet die Festspiele, oder man führt Regie. Aber ich bin nicht diejenige, die bei meinem Vater reinstürmt und zu ihm sagt, jetzt hör endlich auf, Festspielleiter zu sein.

Hat Christoph Schlingensiefs "Parsifal" die Festspiele vorangebracht?

Er hat es geschafft, eine extrem neue Bildersprache in die Oper zu bringen. Ich glaube, dass Schlingensief und die Festspiele sehr voneinander profitiert haben. Bayreuth konnte viel lernen von ihm. Er hat ästhetisch einen Horizont eröffnet, den wir noch nicht hatten. Das ist auch ein Weg, mehr jüngeres Publikum zu gewinnen.

Das Gespräch führte Stephan Maurer

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