Katharina Wagner rechnet mit Wartezeit

Bayreuth - Katharina Wagner rechnet nicht mit einer baldigen Entscheidung über die künftige Festspielleitung in Bayreuth. "Ich weiß, dass jeder den großen Clou im Herbst erwartet, aber ich bin in der Einschätzung eher zurückhaltend."

Das sagte die 29-jährige Tochter und mögliche Nachfolgerin von Festspielchef Wolfgang Wagner (87) in einem Interview der dpa zum Abschluss der 96. Richard-Wagner-Festspiele. Anfang November will der Stiftungsrat der Festspiele erneut über die Nachfolgefrage beraten.

Niemand könne den Zeitpunkt nennen, zu dem ihr Vater, der einen Vertrag auf Lebenszeit besitzt, zurücktreten werde, sagte Katharina Wagner. Auch sie selbst kenne das Datum nicht: "Er hat mir nichts gesagt." Sie sei nicht diejenige, "die bei meinem Vater reinstürmt und ihm sagt, jetzt hör endlich auf, Festspielleiter zu sein." Grundsätzlich sei sie aber bereit, die Festspielleitung zu übernehmen, bekräftigte Wagner. "Dafür würde ich auch meinen sehr geliebten Beruf als Regisseurin erst einmal auf Eis legen", sagte die 29-Jährige. "Denn beides geht einfach nicht."

Ihr gehe es nicht um den Titel einer Festspielleiterin. "Mir geht es darum, dass die Bayreuther Festspiele innovativ in die Zukunft geführt werden." Die Bedingungen müssten aber stimmen, betonte Wagner. So dürften zum Beispiel die Zuschüsse nicht weggekürzt werden.

Wagner zog eine positive Bilanz ihrer ersten Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen. Mit "Die Meistersinger von Nürnberg" gab sie in dieser Saison ihr Regiedebüt im Festspielhaus. "Fertig ist eine Inszenierung nie, aber grundsätzlich würde ich schon sagen, dass wir es geschafft haben, dem Publikum etwas zu liefern, wofür man sich nicht schämen muss", sagte sie. Die Reaktionen auf die moderne Inszenierung seien gespalten. "Man merkt es an den vielen Briefen, die ich bekomme: Es sind genauso viele Verwünschungsbriefe wie Lobbriefe."

Zunächst will sich Wagner weiter auf ihren Beruf als Regisseurin konzentrieren. Am Theater Bremen wird sie im Herbst 2008 "Rienzi" inszenieren, ein Frühwerk ihres Urgroßvaters Richard Wagner. Auch ein Projekt mit der Deutschen Oper Berlin sei in Planung. Zudem wird Katharina Wagner die Wiederaufnahme der "Parsifal"-Inszenierung ihres Vaters in Korea leiten. Im Frühjahr 2008 soll die Inszenierung, die in Bayreuth von 1989 bis 2001 gespielt wurde, drei Mal in der Hauptstadt Seoul aufgeführt werden. "Also ich habe genug zu tun", sagte sie.

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