Katharina Wagner will Bayreuth gemeinsam mit Thielemann leiten

Bayreuth/Berlin/Frankfurt/Main - Die Wagner-Urenkelin Katharina Wagner hat zusammen mit dem Dirigenten Christian Thielemann offiziell den Anspruch auf die künftige Leitung der Bayreuther Festspiele angemeldet. Die 29-jährige Regisseurin, die bei den letzten Festspielen im Sommer mit Wagners "Meistersinger in Nürnberg" ihr umstrittenes Regiedebüt auf dem Grünen Hügel gab, will mit dem 48-jährigen Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker als Leitungsteam antreten, wie beide in einem Zeitungsinterview mitteilten.

Sie würden damit die Nachfolge des 88-jährigen Festspielleiters Wolfgang Wagner, Katharinas Vater, antreten, der einen Vertrag auf Lebenszeit hat. Offenbar ist er damit einverstanden. "Es gefällt ihm sehr gut", sagte Thielemann in dem in Bayreuth erscheinenden "Nordbayerischen Kurier" (Samstag). "Wenn nicht alle Zeichen trügen, wäre der 88-Jährige bereit, den Weg für das Tandem Thielemann-Wagner freizumachen", meint die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Wenn Wolfgang Wagner offiziell seinen Rücktritt ankündigt, haben laut Stiftungssatzung die "Stämme der Familie Wagner" vier Monate

Zeit, ihre Vorschläge einzureichen. Laut Katharina Wagner hat ihr Vater seinen Rücktritt noch nicht erklärt. Sie sei auch nicht diejenige, "die bei meinem Vater reinstürmt und zu ihm sagt, "jetzt hör endlich auf, Festspielleiter zu sein!"", hatte sie zuvor in einem dpa-Gespräch gesagt.

Der Stiftungsrat, der unter anderem mit Vertretern des Bundes, des Freistaates Bayern und der Stadt Bayreuth darüber zu entscheiden hat, tagt am 6. November. Bisher waren auch Katharinas Cousine, Nike Wagner, und ihre Halbschwester Eva Wagner-Pasquier im Rennen um die Nachfolge. Ein Sprecher von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) wollte die "Bewerbung" von Thielemann und Katharina Wagner nicht kommentieren und verwies auf den 6. November.

"Wir haben für eine neue Ära genau das richtige Alter", meinte Thielemann. Katharina Wagner verwies darauf, dass ihre über 60- jährigen Mitkonkurrentinnen Nike Wagner und Eva Wagner-Pasquier schon aus Altersgründen keine Chance hätten, längerfristig ein eigenes Profil zu entwickeln.

Wagner und Thielemann wollen Bayreuth wieder "eine Vorreiterrolle in der Wagnerrezeption" verschaffen, wie sie im "FAZ"-Gespräch betonten. Außerdem soll der klassische Kanon der zehn Hauptwerke Wagners beibehalten werden. "Wir wollen den Mythos Bayreuth nicht zerstören", aber "das Image von der Bayreuther Bunkermentalität" aufbrechen, beteuerte Katharina Wagner. Sie kündigte moderate Neuerungen an, wie die Gründung einer Festspielakademie, die auch den Sänger- und Dirigenten-Nachwuchs betreuen soll. Für die Festspiele will Thielemann "große Dirigentenkollegen" wie Simon Rattle, Zubin Mehta und Kent Nagano nach Bayreuth holen, auch Barenboim soll wieder dirigieren.

dpa

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