Katharina Wagner will das Bayreuther Publikum "fordern"

Festspiele: - Berlin - Opernregisseurin Katharina Wagner hat sich vorgenommen, mit ihrem "Meistersinger"-Debüt bei den diesjährigen Richard-Wagner-Festspielen "das Publikum in Bayreuth auch zu fordern".

Sie hoffe, dass ihre Arbeit auch Diskussionen auslöst, sagte die Urenkelin Richard Wagners in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift "Opernwelt". "Wichtig ist, dass man hinter dem steht, was man tut, und sich nicht verbiegen lässt, Man muss auch nach der Premiere noch in den Spiegel schauen können."

Sie wolle künstlerisch überzeugen und als Regisseurin anerkannt werden, "nicht weil ich eine Urenkelin Richard Wagners bin". Leider sei eine solche Unvoreingenommenheit bei der Bewertung ihrer Arbeit bisher alles andere als selbstverständlich. Sie sehe sich aber "nicht als Produkt dieser Familie", in die sie zufällig hingeboren worden sei, "sondern als eigenständige Person", betonte die 29-jährige Regisseurin und Tochter von Festspielchef Wolfgang Wagner, der im August 88 Jahre alt wird. Sie ist als seine Nachfolgerin auf dem Grünen Hügel im Gespräch.

Katharina Wagner bekräftigte in dem Interview auch ihre Auffassung nach einer vorsichtigen Repertoire-Erweiterung der Bayreuther Festspiele über die Werke Richard Wagners hinaus. Das sei "nicht grundsätzlich schlecht", müsse aber "mit allen Konsequenzen diskutiert werden".

Ohne über ihr Inszenierungs-Debüt auf dem Grünen Hügel schon zu viel zu verraten, könne sie sagen, dass sie die "Meistersinger von Nürnberg" auch "ideologiekritisch" lese. Es gehe um Innovation und Tradition. In dem Stück würden verschiedene Positionen zur Kunst eingenommen. Sie selbst könne mit "konventioneller Opernästhetik" wenig anfangen.

Nach "Quellen ihrer szenischen Sprache" befragt, sagte Wagner, der Regisseur Hans Neuenfels habe sie sehr beeinflusst. Peter Konwitschny habe sehr viel zu Wagner gesagt, "das muss man nicht noch einmal in Bayreuth ausformulieren, da waren andere Häuser einfach schneller, leider". Wagner verteidigte auch noch einmal das umstrittene Engagement Christoph Schlingensiefs, dessen "Parsifal"-Inszenierung in diesem Sommer zum letzten Mal auf dem Grünen Hügel zu sehen ist. Er habe ästhetische Resultate erzielt, "die ich so noch nie auf einer Opernbühne gesehen habe."

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