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Kein altes Eisen

- "Finger weg von behandelten Steinen" (Erhitzung, Chemie), ermahnte Stefan Hemmerles Vater den Sohn und schärfte zugleich dessen Blick für Eigenschaften, insbesondere für Farbnuancen von Steinen. Nicht von irgendwelchen, sondern von Edelsteinen. Sie verwandeln sich dank des Münchner Pretiosen-Hauses ­- mit Sohn Christian mittlerweile schon in der vierten Generation ­ in Juwelen.

Nun widmet das Design-Museum Die Neue Sammlung diesem Kunsthandwerk in der Pinakothek der Moderne eine eigene Schau im Rahmen ihrer Mythen-Reihe: "Jewels Today ­ Seen by Stefan Hemmerle".

Leidenschaft für außergewöhnliche Steine

Direktor Florian Hufnagl hat sich von der einmaligen handwerklichen Qualität, aber auch vom innovativen Mut des Münchners überzeugen lassen, dessen Vorfahren das Juwelierhaus 1893 gegründet hatten und Hoflieferanten wurden. Stefan Hemmerle entwickelte den hauseigenen Stil energisch weiter. Eine strenge Formensprache brachte er ein, setzte auf zum Teil recht große Objekte, die manchmal skulpturalen Charakter haben. Einiges wieder erinnert an Maschinen-Teile. Solch eine für klassischen Schmuck überraschende Gestaltung wird auch in "frechen" Material-Kombinationen fortgeführt. Edelsteine in Eisen oder Kupfer gefasst? In Nachbarschaft mit Thujaholz oder Taguanuss?

Aber das wird nicht zum Avantgarde-mäßigen Autorenschmuck, wie er an der Münchner Kunstakademie gepflegt wird, sondern zu tragbaren und viel begehrten Stücken. Für die Ausstellung mussten sie aus aller Welt zurückgeholt werden. Und wenn man jetzt das Geschmeide in einem geheimnisvoll dunklen, nur pointiert und auratisch ausgeleuchteten "Schrein" (Architekt Tom Postma) in der PDM begutachtet, dann ist schnell klar: Stefan Hemmerle könnte auch Staniolpapier so bearbeiten und inszenieren, dass es unglaublich edel aussähe.

Er verwandelt das Eisen in ein mattes, grafitgraues, schlichtweg "neues" Metall, das den Glanz und die Transparenz, ja Körperlosigkeit der einen Steine oder die undurchsichtige, fast warme Konsistenz der anderen Steine erst richtig zur Geltung bringt. Am schönsten: die schlichte Kontrastierung dieses Eisens mit Diamanten. Die "Leidenschaft für außergewöhnliche Steine", für die Hemmerle lebt, ist für uns Laien hingegen optisch schwer verständlich. Unsere Augen sehen Form und Größe, sind aber viel zu wenig trainiert, um die Einmaligkeit eines Steins wahrnehmen zu können. Der wird gewissermaßen erst richtig individuell, wenn der Fachmann davon erzählt und schwärmt.

Übrigens kommen in der Exposition auch die Fans von verspieltem Glitzer-Glimmer auf ihre Kosten, auf dass ihnen das Glamour-Herz aufgehe; inklusive wahrer Riesen-Klunker, die frau beruhigt tragen kann: Kaum einer hielte es für möglich, dass sie echt sein könnten.

>> 18.11.-18.2.07, Tel. 089/ 23 80 53 60, Katalog, Collection Rolf Heyne: 198 Euro;

>> Die Pinakothek der Moderne und weitere Münchner Museen im Internet

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