Kein "Begrüß-Gustav"

- Günter Grass teilt die Kritik seines gerade als Präsident der Berliner Akademie der Künste zurückgetretenen Kollegen Adolf Muschg an der Künstlervereinigung (wir berichteten). Die Akademie sei dringend reformbedürftig, die Position des Präsidenten müsse gestärkt werden, sagte Grass der Deutschen Presse-Agentur. "Ich bin ganz auf Muschgs Seite. Er hatte die gleichen Probleme, mit denen schon ich zu kämpfen hatte", meinte Grass, der in den 1980er-Jahren selbst an der Spitze der Akademie stand.

"Wenn man einen profilierten Künstler, in diesem Fall einen Schriftsteller, zum Präsidenten wählt, kann der sich nicht mit der ihm zugedachten Rolle eines Begrüß-Gustav begnügen", so Grass. Der Präsident habe in der gegenwärtigen Situation keinen ausreichenden Spielraum, Programme zu entwickeln, die das Zusammenwirken der einzelnen Abteilungen ermöglichen. Deren Leiter behinderten mit ihrer "Kurfürstenherrlichkeit" die Arbeit der Organisation. "So bleibt aus meiner Sicht und sicherlich auch aus Muschgs Erfahrung das eigentliche Potenzial dieser Akademie ungenutzt. "Wenn das so weiterläuft, verliert die Akademie ihre Berechtigung." Voraussichtlich Anfang Februar soll ein Nachfolger Muschgs gewählt werden.

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