Kein großer Wurf, aber ein großer Spaß

- Ein Fest für Viktor: Er wird neun - Zeit für eine Party, denken die Erwachsenen. Zeit für Rebellion, denkt das brave Kind. Roger Vitracs surrealistisches Stück "Victor oder Die Kinder an der Macht" (1928) ist wahrlich kein reiner Kindergeburtstag, sondern groteske Kritik an den inzwischen freiheitlichen Werten und Konventionen des Bürgertums. Und es ist kein Kinderspiel, diese Komödie mit ihren Standesunterschieden und Militär-Anspielungen heute verständlich zu machen.

"Viktor! Happiness is a warm gun" hat die Schweizer Regisseurin Barbara Weber klugerweise ihre Inszenierung für das Young Directors Project im Salzburger republic genannt.

Mit dem Beatles-Zitat vom kurzen Glücksrausch im Titel darf die ohnehin schon anarchistische Handlung jetzt völlig durchknallen: größtmögliche Freiheit also für Webers Aktualisierung, in der das Dienstmädchen zum Au-Pair und der General zur Power-Tante mutieren. Geschickte Kürzungen, intelligente Improvisationen - und trotzdem bleibt die Fassung im Kern nah an der Vorlage. Auf der Bühne herrscht das Stilchaos der gepflegten Mittelschicht - zwischen Designerstühlen, Biedermeierlämpchen und Waffenvitrine geht bei der Party die Post ab.

Aljoscha Stadelmann ist ein Viktor von ernsthafter Kindlichkeit. Bei jeder Gelegenheit hetzt der naseweise Bub im schneeweißen Anzügchen die Erwachsenen aufeinander, die er längst durchschaut: den verkniffenen Papa (Philippe Graber) mit Leopardenhose und Krokodil auf dem Polohemd; die hysterische Ex-Hippie-Nachbarin (Rebecca Klingenberg) und deren Weltschmerz-geplagten Mann (Steven Scharf) etwa. Mira Partecke aber gebührt als Viktors Freundin der Glanznummernpreis: So lange droht sie Schillers "Glocke" zu wiederholen, bis sie nicht mehr stockt.

Für diese niedliche Lachmuskelattacke überreicht Viktor ihr einen "Pelikan", dezente Erinnerung daran, dass in der Young Directors-Reihe die Regisseure um einen "Montblanc"-Preis wetteifern. Kein großer Wurf, aber ein großer Spaß: Weber hat jedenfalls das Wohlwollen des Publikums gewonnen.

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