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„The Land“: Die renommierte belgische Gruppe Peeping Tom studierte mit Schauspielern des Münchner Residenztheaters dieses Stück ein, das nach dem Dance-Festival im Repertoire bleibt. Foto: Andreas Pohlmann

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Kein Idyll im Grünen

München - Das Dance-Festival ist sogar beim Bayerischen Staatsschauspiel zu Gast. Wir haben die Proben zu „The Land“ besucht. Premiere ist am Freitag.

Münchens Dance-Biennale, traditionell im Spätherbst terminiert, wird heuer vom 7. bis 17. Mai zum zeitgenössisch bewegten Tanz in den Mai. Dies die erste gute Nachricht. Die zweite: Neben vielen spannenden Gastprogrammen verbleibt eine Produktion im Repertoire des Residenztheaters. Intendant Martin Kušej, offen für Grenzgänge – 1994 inszenierte er selbst ein Tanztheater –, hat die renommierte belgische Gruppe Peeping Tom eingeladen, mit seinen Schauspielern ein Stück zu erarbeiten. Die Tanztheater-ungewohnte Resi-Crew wie auch die Peeping-Tom-Chefs, die Argentinierin Gabriela Carrizo (Regie) und der Franzose Franck Chartier (Bühne, mit Carizzo), begeben sich risikobereit auf unbekanntes Terrain. Mit dabei sind Tänzerin Marie Gyselbrecht und Sängerin Snejinka Avramova vom Gärtnerplatztheater.

Bei einem Probenbesuch und anschließendem Gespräch konnte man schon mal ein bisschen vorschnuppern, was uns unter dem vagen Titel „The Land“ erwartet. Auf der Bühne des Cuvilliéstheaters erhebt sich sanft eine grüne Hügellandschaft, in der sich hie und da Spielzeughäuschen an Grüppchen winziger Tannen hinschmiegen. Eine ältere Frau auf Knien jätet wohl Unkraut. Ein Mann macht sich zu schaffen mit einem wuchtigen Hackklotz, schwingt eine große Axt – verfolgt auch eine junge fliehende Frau. Eine andere Dorfbewohnerin lockt ein Kind auf den Weg zu einem geheimnisvollen Haus. Die Mutter warnt, schreit: „Geh’ nicht in diesen Wald! Bleib’ bei mir!“

Ingo Sawilla vom Resi-Pressebüro flüstert uns Probenbesuchern zu, dass eine Vielzahl solcher kleinen Szenen entstanden seien, manche davon auch wieder wegfallen könnten. Ideen- und Spiel-Material gemeinsam mit den Tänzern sammeln, sichten und wieder verwerfen, das kennt man von Tanztheater-Legende Pina Bausch. Was dieses Stück aber (be-)sagen will, da fischt man eher noch im Trüben.

Später im Gespräch erklärt Carrizo: „Peeping Tom geht für seine Arbeiten immer von einem Raum aus. Hier ist es diese Landschaft, die wir einem Bild des belgischen Malers Michael Borremans nachempfunden haben. Die Disproportion zwischen den Miniaturhäusern und den Darstellern entspricht der Gewichtung von Innen und Außen. Es geht hier nicht um Land und Kühe, sondern um die Beziehungen zwischen den Menschen dieser Dorfgemeinschaft.“ Paul Wolff-Plottegg, einer der dreizehn Akteure, die sich in mehreren vorausgegangenen Probier-Workshops fürs Mitmachen entschieden, fügt weiterhelfend hinzu: „Im Sprechtheater kennt man seine Figur, und es gibt klare Regie-Anweisungen. Zum Beispiel: ,Du gehst von links nach rechts mit einer Axt.‘ Hier nehme ich eine Axt in die Hand, und auf einmal bin ich ein Holzhacker – oder aber ein Mörder. Aus solchen einfachen Aktionen entstehen Figuren, Geschichten, Stimmungen, Beziehungen. Wir Schauspieler werden hier zu Mit-Autoren, was die Arbeit so interessant macht.“ Carrizo vertieft: „Ich komme nicht vom Theater. Unsere Gruppe schaut aus einem anderen Blickwinkel auf die Dinge. Wir arbeiten viel mit Übergängen, mit Transformation. Wenn man zum Beispiel einen Text mit einem konkreten Inhalt hört, dann gehen die eigenen Gedanken dabei oft in eine ganz andere Richtung. Und wir folgen eben solchen abschweifenden Gedanken.“

Wie behilft sich da ein Schauspieler, der unverhofft mit dem Körper „sprechen“ muss? „Nicht über eine Tanztechnik, da man ja keine Ausbildung darin hat“, sagt der junge Philip Dechamps. „Man muss es aus seiner Persönlichkeit hervorholen. Und wenn es zum Beispiel um Zweifel, um Widersprüche geht, kann man das über den Körper sehr schnell erforschen.“ Ergibt sich denn aus all diesen Szenen und Bildmomenten eine Art Geschichte? „Im Theater ist es immer die ,Story‘. Dies ist eine Arbeit, die unterschiedliche Assoziationen auslöst, die den Zuschauer auf einer Grenzlinie der Ungewissheit hält. Die Erfahrung von Ängsten spielt sicher eine wichtige Rolle“, sagt Carizzo. „Ja, Angst kann man als den roten Faden sehen“, ergänzt Dramaturgin Laura Olivi, die diese Kooperation mit Peeping Tom auf den Weg brachte. „Aber letztlich hat alles, was auf der Bühne passiert, einen direkten Bezug zur menschlichen Wirklichkeit.“

„The Land“ ist ein Abenteuer, in das man sich, risikofreudig wie die Schauspieler, stürzen sollte, im Vertrauen auf die fünfzehnjährige Erfahrung der Gruppe, die gerade mit dem Olivier Award ausgezeichnet wurde. Zum Vergleich kann man sich am Ende von Dance noch die jüngste Peeping-Tom-Produktion ansehen: „Vader“ handelt von der letzte Lebensetappe im Altersheim.

Malve Gradinger

Informationen:

Karten unter 089/ 21851940 und an den Abendkassen.

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