Kein Klavier-Zirkuspferd

- Das Bruckner-Gymnasium und Straubing haben durch einen außergewöhnlichen Musiklehrer, der dort Orchester und Schulchor leitet, ein reiches Musikleben. Deshalb hatte Martin Rasch (30) früh Gelegenheit zu Soloabenden und zur Aufführung von Klavierkonzerten, was in einer Metropole wie München nicht möglich gewesen wäre. Am 1. Dezember erhält der junge Pianist den Bayerischen Kunstförderpreis in der Sparte Musik (5000 Euro). "In einer Provinzstadt hat man viel reichere Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln, und das hab' ich sehr reichlich ausgenutzt", erzählt Rasch.

Sozusagen als "Spätberufener" begann der Achtjährige. Wichtig für seine Studien an der Münchner Musikhochschule: Gerhard Oppitz. "Für mich eine ganz wunderbare Erfahrung, weil er ein Pianist ist, der ständig auf den Podien der Welt konzertiert und diesen Wissensschatz in den Unterricht einbringt. Er spielt viel vor, unvergesslich ist für mich, wenn er Klavierkonzerte am zweiten Flügel begleitet und den Orchesterpart vorführt. Er kennt die Tücken und Klippen, die in diesen Werken lauern, und er hat mir diesbezüglich unschätzbare Dinge mitgeteilt. Vor allem hat er mir auch die Freude an der Musik mitgegeben. Musikmachen muss wirklich ein Spielen sein, es muss einem selbst und auch dem Publikum Spaß machen."<BR><BR>In Raschs bereit gefächertem Repertoire nehmen vor allem die Werke Beethovens eine herausragende Stellung ein. "Ich habe offensichtlich eine große Affinität zu Beethovens Musik, sie spricht mich sehr unmittelbar an. Zudem finde ich Beethoven aufgrund seiner Kompositionstechnik, dieser stark auf Struktur bedachten Art zu komponieren, eine sehr gute Basis." Nach seinem Abschluss im Jahr 2000 begann er mit den Münchner Symphonikern unter Leitung von Philipp Amelung Beethovens fünf Klavierkonzerte zyklisch aufzuführen. Beethovens 32 Sonaten komplett zu spielen, das war bereits in frühen Jahren ein Ziel von Rasch, und damit ist er mittlerweile auch in München bekannt.<BR>Martin Rasch gehört nicht in die Riege der Tastenlöwen, ist keiner, der den Markt als Shootingstar bedienen kann und will. Er zählt sich nicht zur Gruppe jener, die für Klavierfeuerwerke zuständig sind, vielmehr zu der, die für das Ernsthafte stehen, das Seriöse der Musik überzeugend darbieten: "Mir ist dieser Klavierzirkus eigentlich sehr fremd." Und er gibt sein Wissen gerne weiter, unterrichtet seit dem Wintersemester 2002/03 als Lehrbeauftragter für Klavier an der Hochschule für Musik und Theater in München. Er selbst nennt, wenn es um seine Vorbilder geht, Claudio Arrau, Daniel Barenboim und Alfred Brendel: Mit Brendel kam es für ihn durch Empfehlung auch zur persönlichen Begegnung. "Alfred Brendel ist natürlich ein Erlebnis der Sonderklasse. Er hat sich die Zeit genommen, sehr intensiv mit mir Beethovens op. 111 durchzuarbeiten." <BR><BR>Heute Abend spielt Martin Rasch zum Abschluss seines Münchner Beethoven-Zyklus' um 20 Uhr im Großen Saal der Musikhochschule die Variationen F-Dur op. 34, die Eroica- und die Diabelli-Variationen; pünktlich zur Preisverleihung am 1. Dezember erscheint bei Organum Classics seine zweite CD mit Mitschnitten aus seinem Beethoven-Zyklus.<BR>

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