Wilhelm Busch porträtierte sich selbst (um 1894); der fragende Blick richtet sich ans Ego und zugleich an den Betrachter.

Wilhelm Busch: Kein Maler Klecksel

Tegernsee - Wilhelm Busch war mehr als "Max und Moritz". Das zeigt eine aktuelle Austellung im Gulbransson-Museum.

Natürlich „Max und Moritz“ – schon zu den Lebzeiten ihres Urhebers in 400 000 Exemplaren im deutschsprachigen Raum präsent und in elf Sprachen übersetzt. Heute hecken die bösen Buben ihre Streiche in über 200 Sprachen aus – und werden obendrein hemmungslos nachgeahmt: vom Comic bis zum Film. Dass es auch einen ganz anderen Wilhelm Busch gibt, erzählt das Olaf Gulbransson Museum in Tegernsee mit der Ausstellung „Wilhelm Busch – populär und unbekannt“. Denn der 1832 bei Hannover geborene und 1908 im Harzdorf Mechtshausen verstorbene Künstler war ebenfalls ein Maler  mit  enormem  Potenzial.

Die Schau, gespeist vom „Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst“ in Hannover, fächert also nicht nur das Werk von „Max und Moritz“ bis „Maler Klecksel“ auf, sondern auch ein Œuvre von einem bescheiden-klaren Realismus bis hin zu kühnen, ja, eigentlich ungegenständlichen Versuchen in Öl. Da bricht aus Busch (trotz Liebe zu den alten Holländern und Flamen) die unverschämte Kraft hervor, die er in seinen Bildergeschichten – wenn auch in anderer Optik – ebenfalls ungehemmt loslässt. Der gediegene Mann, der in München zwar viel Erfolg hatte, allerdings das dortige Großkünstlergetue schnell ablehnte, war eben kein Spießer – auch kein intellektueller.

In der Präsentation lassen sich die vielen Schichten dieses Schaffens durch die Lebensstationen hindurch gut verfolgen – und mit Hilfe herrlicher Stücke: Da gibt es den herzigen, dennoch nicht süßlichen „Bayerischen Bauernbub“ (um 1858) oder die knorrigen Baumstamm-Porträts auf einem Doppelgemälde von 1890, bei dem der Pinsel frei fetzen durfte. Da gibt es den vierten und sechsten Streich von „Max und Moritz“ im Originalentwurf (1863/64). Auf den Blättern sind zwischen den fein säuberlich handbeschrifteten Versen die „Comic“-Szenen aufgeklebt. Das sind natürlich echte Schmankerl – genauso wie die erste Auflage des „Münchener Bilderbogens Nr. 465“ mit „Virtuos“ (1868): Nie wurden Fan und Pianist im Spiel besser charakterisiert – und nach dem Spiel liebevoll-gemein durchschaut. Hut ab vor dem Maler Wilhelm Busch, der Cartoonist Wilhelm Busch war jedoch ein Genie.

Simone Dattenberger

Bis 20. Januar 2013,

Dienstag bis Sonntag 10-17 Uhr; Im Kurgarten 5; Telefon 08022/33 38; Katalog: 16,80 Euro; Videoguides für Kinder/Jugendliche und „Bilderjagd“-Heftchen kostenlos.

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