Kein Paradisi Gloria, keine Musica Viva

- Alarm beim Bayerischen Rundfunk: Die Musik - sprich Orchester und Konzerte - ist in Gefahr. Das komplette Aus droht der erfolgreichen Münchner Reihe "Paradisi Gloria" in der Neuhausener Herz-Jesu-Kirche und den Nürnberger Konzerten "Sommer im Park". Beschnitten werden soll die Musica Viva, und außerdem sollen in den nächsten zehn Jahren die beiden BR-Klangkörper, die BR-Symphoniker und das Rundfunkorchester, zusammengelegt werden. So zumindest steht es in einem Sparpapier des BR-Intendanten Thomas Gruber.

<P>Ausgerechnet "Paradisi Gloria" und Musica Viva soll es an den Kragen gehen! Beide Reihen widmen sich der zeitgenössischen Musik und erfreuen sich ungewöhnlich großen Publikumsinteresses. Vor allem die von Marcello Viotti, dem Chef des Rundfunkorchesters, ins Leben gerufenen geistlichen Konzerte entwickelten sich binnen kurzer Zeit zum Renner.<BR><BR>Und seit Udo Zimmermann die Musica Viva leitet, ist auch dort der Zustrom enorm gestiegen. Mit beiden Reihen kultiviert der BR kein mickriges Pflänzchen, sondern begießt eine üppige Blüte. Sie zu kappen, wäre sträflich.<BR><BR>Sollte man da nicht lieber einmal auf Brahms und Tschaikowsky, auf Beethoven oder Dvorak verzichten - die sowieso die Programme der kommerziellen Konzertveranstalter füllen? Doch bei solchen Überlegungen wird der neue Chef des Symphonieorchesters, Mariss Jansons, nicht mitspielen oder lieber gleich ganz nach Amsterdam abwandern.<BR><BR>Die für die kommenden zehn Jahre geplante Vereinigung von Symphonie- und Rundfunkorchester wird Marcello Viotti ins Mark treffen. Gerade jetzt, wo sich seine Arbeit in einem konsequenten, eigenen Profil des Rundfunkorchesters niederschlägt, wo das Ensemble neues Selbstbewusstsein und neue Qualität entwickelt hat, soll es langsam dem großen Bruder einverleibt werden. Das ist hart und endgültig.<BR><BR>Im Haushalt 2004 fehlen rund zehn Millionen</P><P>Da fällt es weit weniger ins Gewicht, dass der Sender den Filmpreis künftig nur noch alle zwei Jahre mitfinanzieren will. Oder dass das Osterkonzert nicht mehr im Fernsehen übertragen werden soll. Beides lässt sich bei günstigerer Kassenlage rasch wieder einführen. Ein totes Orchester steht nicht so schnell wieder auf. </P><P>Die rigorosen Musik-Sparpläne, so verlautet es aus dem BR, seien nicht die Antwort auf Ministerpräsident Stoibers Nein zu minimalen Gebührenerhöhungen (um 1,09 auf 17,24 Euro pro Monat ab 2005). Denn dem BR fehlen, so Pressesprecher Küffner, schon im Haushalt 2004 rund zehn Millionen Euro. Da der Sender seinen kulturellen Auftrag primär im Programmbereich sehe, müsse von der "Peripherie her" eingespart werden.<BR><BR>Hörfunkdirektor Johannes Grotzky, der die Sparvorschläge aus seinem Bereich lieferte, war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Er werde sich erst nach der Rundfunkratssitzung am kommenden Donnerstag äußern. Noch sei das Sparmodell, so Küffner, nicht spruchreif.<BR><BR>Zunächst müssten sich sämtliche zuständigen Gremien (Verwaltungsrat, Wirtschafts- und Finanzausschuss etc.) damit beschäftigen. Schwache Hoffnung für die Musikfreunde.<BR></P>

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