Kein Stein bleibt auf dem anderen

- Marken, Logos, Werbung bestimmen unser Denken. Und genau darauf zielt Nic Hess ab, wenn er mit seinen Zeichnungsinstallationen Werte und Bedeutungen unterminiert. Die zentrale Mittelhalle stand ihm im Münchner Haus der Kunst zur Verfügung, um sehr poppig und zeitgeistig die Geschichte des Hauses und zugleich die des Landes zu erkunden.

<P>Mit einem rotzigen "Guten Morgen, Deutschland!" als Titel kommentiert der Schweizer seine erste Einzelschau in der BRD, zugleich verweist er auf Kriegsgeschichten und spezifisch auf die Rolle der Räume im "Dritten Reich". Das alles geschieht auf flapsige und trendige Weise, die den Saal umläuft, blendet, im Leeren stehen lässt, bevor sich Hintergründiges langsam offenbart.<BR><BR>Gleich am Eingang ist über Eck ein riesiges Frauenbild mit wenigen Linien an die Wand geworfen. Ihre Schultern sind aus gemaltem Marmor als Fortschreibung des Bodens, der Rest ist Klebeband. Folgt man ihrem Blick in den Raum, prallt man in der nächsten Ecke gegen die New Yorker Silhouette mit Berliner Logo, aus dem Bild fällt ein Werbemännchen quer in den Raum. Die Dame, das Traumziel - fehlt nur noch die Realität: Sie ist ein Fachwerkhaus mit Zigarettenschachteldach und einem kaputten Rad davor. Die Linien führen weiter zur Ziegelwand mit der Stiftertafel des Hauses und roten Wunden. Darüber ziehen Vögel gen Himmel. Gegenüber landet man knallhart auf dem Boden der Realität: Ein großer Spiegel steht dort, wo Hitler einst seine Rede hielt und nun der Betrachter zum Dialogpartner wird.<BR><BR>Derart hingewiesen auf das Historische fallen schließlich die Durchbrüche der Wand, die kaputten Türen, die ergänzte Architektur und ihre Zerstörung auf. Vergänglichkeit und Vergangenheit, Grenzen und ihre Auflösung, das Sezieren der Symbole, Bilder und Geschichte(n) werden damit thematisiert. Wo klare (Werbe-) Werte herrschten, bleibt am Ende kein Stein mehr auf dem anderen.</P><P>Bis 6. Juni, <BR>Audio-CD 11 Euro, <BR>Tel. 089/ 21 12 70.</P>

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